Raumtransporter Progress
Neuer Rückschlag für Russlands Raumfahrt

In Moskau herrscht Aufregung nach dem Verlust eines Progress-Raumfrachters. Die Mission sollte auch ein Höhepunkt der russischen Siegesfeiern zum 9. Mai werden. Neben dem Prestige-Verlust geht es aber auch um viel Geld.
  • 0

BerlinWas als Routinemission geplant war, ist für Russland zu einer peinlichen Millionenpanne geworden. Der unbemannte Frachter Progress M-27M kreist seit seinem Start auf einer falschen Umlaufbahn um die Erde, statt Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen. Alle Rettungsversuche der Flugleitzentrale bei Moskau blieben vergeblich – inzwischen ist der Absturz des tonnenschweren Transporters unausweichlich.

„Ein Andocken der Progress an der ISS ist nicht mehr möglich, jetzt betrachten wir nur noch verschiedene Varianten des Absturzes“, so Roskosmos-Chef Igor Komarow am Mittwoch. Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLF) in Bonn schloss aber eine Gefahr für Menschen auf der Erde aus. „Beim Wiedereintritt wird das Raumschiff nach bisherigen Erfahrungen verglühen. Im Gegensatz zu bemannten Sojus-Kapseln ist die Progress nicht für die Rückkehr zur Erde vorgesehen und somit nicht mit einem Hitzeschutz ausgestattet“, sagte Schmid.

Insgesamt mehr als 140 solcher Versorgungsschiffe hat die stolze Raumfahrtnation Russland in den vergangenen Jahren ins All geschickt. Fehlschläge sind selten. Diesmal sorgt die Panne aber für besonderes Stirnrunzeln in Moskau. Denn sie betrifft eine Sojus-Trägerrakete, die auch für bemannte Flüge genutzt wird. Der für den 26. Mai geplante Start von drei Raumfahrern zur ISS ist nun erst einmal unklar – Roskosmos will zunächst den Fehlschlag analysieren, um ein zusätzliches Risiko auszuschließen.

Der Unfall ist aus einem weiteren Grund doppelt schmerzhaft – er kommt kurz vor dem 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Triumphes über Hitlerdeutschland, dem wichtigsten Festtag des Jahres. Bunt beklebt mit Symbolen des historischen Sieges hatte die Sojus am Dienstag vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abgehoben, an Bord auch Festtagsessen für die drei Kosmonauten. Und nun eine solche Panne!

Der Vorfall weckt nicht nur ungute Erinnerungen an die Pannenserie, die die russische Raumfahrtzwischen 2010 und 2013 heimsuchte, als mehrere Satelliten und ebenfalls ein Progress-Transporter jeweils kurz nach dem Start verlorengingen. Der aktuelle Vorfall betrifft mit der Sojus-Rakete ausgerechnet das wichtigste Arbeitstier der russischen Raumfahrt. Die Sojus-Technik ist nach dem Aus für die US-Space-Shuttles die einzige Möglichkeit, um Menschen zur ISS zu transportieren.

50 Jahre lang galt die Sojus-Technik als robust und zuverlässig. Jetzt steht aber auch dieser „VW-Käfer des Weltalls“ auf dem Prüfstand. Russland müsse schnell moderne Alternativen entwickeln, so Komarow.

„Der Unfall ist ein Hinweis für uns, auf neue Projekte zu setzen.“

Seite 1:

Neuer Rückschlag für Russlands Raumfahrt

Seite 2:

Für Russland geht es um viel Geld

Kommentare zu " Raumtransporter Progress: Neuer Rückschlag für Russlands Raumfahrt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%