Reederei testet Skysails
Lenkdrachen zieht Schiffe übers Meer

Als weltweit erste Reederei will die Bremer Beluga Shipping zum Antrieb eines ihrer Frachtschiffe künftig wieder auf Windkraft setzen.

HB HAMBURG. Anfang nächsten Jahres wird das Unternehmen an Bord des Mehrzweck-Schwergutfrachters „Beluga Skysails“, einem 140 Meter langen Schiffsneubau, ein von der Hamburger Firma Skysails entwickeltes Zugdrachen-System installieren. Gestern haben die Reederei und der Hersteller in Hamburg einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnet.

Für Skysails-Geschäftsführer Stephan Wrage – er war in der als konservativ bekannten Seefahrtsbranche bis vor kurzem noch als Ökospinner verschrien – ist die Zusammenarbeit mit Beluga ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Marktreife des Systems. Noch in diesem Jahr will er den Windantrieb mit drei Luxusyachten testen. 2007 soll Skysails dann in Serie gehen.

Als Jungunternehmer, frisch von der Uni gekommen, gründete Wrage vor fünf Jahren seine Firma, um Transportschiffe mit Segeln auszustatten und auf diese Weise in großem Umfang Treibstoff zu sparen – eine keineswegs neue Idee, ähnliche Bemühungen waren aber bis jetzt immer gescheitert. Traditionelle Mastsegel erwiesen sich stets als untauglich, da Frachter bei Seitenwind leicht in Schräglage geraten und so zu kentern drohen.

Nach langer Entwicklungsarbeit aber glaubt Wrage – längst mit zahlreichen Innovationspreisen ausgezeichnet – dieses Problem und viele weitere inzwischen gelöst zu haben. Sein Windantriebssystem besteht aus einem riesigen, etwa fußballfeldgroßen gleitschirmähnlichen Zugdrachen, der mit einem rund 500 Meter langen Kunststoffseil an der Schiffsaußenwand befestigt wird. Während der Fahrt soll das Segel innerhalb von nur 15 Minuten unkompliziert vom Schiff aus zu starten sein. Ein Autopilot sorgt dafür, dass es stets zum Wind ausgerichtet wird, auch bei einer Fahrt bis zu 50 Grad gegen den Wind soll es noch als Antrieb dienen können. Die Füllung der Segelkammern mit Helium trägt einerseits dazu bei, die Windkraft effizient zu nutzen, gleichzeitig soll sie verhindern, dass der Lenkdrachen bei Flaute ins Meer stürzt.

„Schon im vergangenen Jahr haben wir entgegen starker Vorbehalte bewiesen, dass die Technologie funktioniert“, sagt Wrage, der das Prinzip im Oktober mit einem 15 Meter langen und 15 Tonnen schweren Lotsenschiff auf der Ostsee erfolgreich testete. Damit waren alle Voraussetzungen geschaffen für die ersten Vertragsverhandlungen mit der Unternehmensgruppe Beluga, die über eine Flotte von 28 Frachtschiffen verfügt. Deren geschäftsführender Gesellschafter Niels Stolberg erhofft sich von seiner Pionierrolle als erster Käufer des innovativen Antriebssystems einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. „Steigende und dauerhaft hohe Ölpreise sind ein Thema, mit dem sich heute jeder Reeder befassen muss, um in Zukunft nicht ins Hintertreffen zu geraten“, sagt der 45jährige, der in der Branche für ungewöhnliche unternehmerische Entscheidungen bekannt ist.

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