Reiche Länder
Lebenserwartung steigt auf 100 – mindestens

Die meisten Kinder, die in diesem Jahrhundert in reichen Ländern geboren werden, können mit einer Lebenserwartung von 100 Jahren rechnen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Die Befunde rütteln an der Vorstellung einer festen Obergrenze für die Lebenserwartung.
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HB LONDON. Über die Untersuchung berichtet die jüngste Ausgabe der britischen medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“. James Vaupel vom Max-Planck-Institut und dänische Forscher verglichen weltweit zwischen 2004 und 2005 veröffentlichte Studie zu verschiedenen Aspekten des Alterns. Sie stellten fest, dass die Lebenserwartung in den meisten Staaten zunahm – und zwar selbst über Grenzen hinweg, die Wissenschaftler zunächst für nicht möglich gehalten hatten. Seit dem 20. Jahrhundert lebten Menschen in entwickelten Ländern bis zu drei Jahrzehnte länger als davor. Der Trend zur Zunahme der Lebenserwartung schwäche sich entgegen den Erwartungen nicht ab; der Prozess des Alterns sei offenbar veränderbar.

„Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung verlangsamen immer mehr den Prozess des Alterns und rütteln damit an der Vorstellung, es gebe eine feste Obergrenze für die Lebenserwartung von Menschen“, erklärt der britische Altersforscher David Gems, der nicht an der Studie beteiligt war. Gems forscht an Medikamenten, die die Lebenserwartung von Mäusen verlängern und eines Tages auch von Menschen eingenommen werden könnten.

„Laborstudien mit Mäusen, darunter auch meine eigenen, zeigen, dass es eine Schutzwirkung hat, wenn man das Altern nur ein wenig verlangsamt“, sagte Gems. „Eine Tablette, die das Altern verzögert, könnte Schutz gegen die ganze Skala von Alterskrankheiten haben.“ Die Erkrankungen älterer Menschen an Krebs, Diabetes und anderen Krankheiten nehmen zwar zu, zugleich können aber auch immer mehr Menschen bis ins hohe Alter aktiv bleiben.

Der US-Altersforscher Richard Suzman erwartet wegen der zunehmenden Lebenserwartung radikale Veränderungen in der Gesellschaft, darunter das Verschieben des Rentenalters nach hinten. „Wir sind noch fünf bis zehn Jahre von dem Wendepunkt entfernt, an dem es mehr Menschen über 65 auf der Erde geben wird als unter fünf“, sagte er. „Diese Extrajahre müssen finanziert werden, und wir müssen jetzt anfangen, darüber nachzudenken.“

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