Reihe von Aufträgen wird neu ausgeschrieben
Ohne Private soll Galileo billiger werden

Für den milliardenschweren Aufbau des Satelliten-Navigationssystems wird nach Angaben aus Kreisen der EU-Ratspräsidentschaft eine Reihe von Aufträgen neu ausgeschrieben. Zudem soll es einen Weg geben, mit dem Galileo um zwei Milliarden Euro günstiger realisiert werden kann als bisher geplant.

HB BERLIN. Ursprünglich sollte die Industrie den Aufbau des Satellitensystems finanzieren und dafür später Erlöse aus dem Betrieb erhalten. Anfang Mai platzte dieses Konzept aber wegen eines Streits über die Übernahmen von Risiken.

Das Galileo-System soll in staatlicher Regie nun billiger als bislang geplant und ohne größere Verzögerungen bis etwa 2011 realisiert werden können. Für Aufbau und Betrieb über 20 Jahre werden Kosten von gut sieben Mrd. Euro angenommen, die aus dem EU-Haushalt bezahlt werden sollen. Das verlautete am Dienstag aus Kreisen der EU-Ratspräsidentschaft unter Berufung auf Berechnungen der EU-Kommission. Bedingung sei, dass es mit Mitteln aus dem EU-Haushalt, also aus Steuermitteln, realisiert wird und nicht als „Public-Private-Partnership“-Modell.

Galileo soll in Konkurrenz zu dem amerikanischen GPS-System treten. Weil es treffsicherer werden soll, versprachen sich die Schöpfer zunächst Spin-off-Effekte in Milliardenhöhe. Im Fall einer Realisierung mit Steuermitteln würde die von dem bisher zur Beteiligung vorgesehenen Industriekonsortium verlangte Renditegarantie von einer halben Milliarde sowie Kapitalkosten von etwa anderthalb Mrd. Euro entfallen, argumentierten die Kreise. Sie bezifferten die Kosten für den Aufbau mit mehr als drei Mrd. Euro und für den Betrieb mit vier Milliarden, letzteres über eine Laufzeit von 20 Jahren. Im Fall einer Realisierung durch die bisherigen Konsorten wären noch die zwei weiteren Mrd. dazugekommen.

Auf Vorschlag von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee soll nun der EU-Rat im Juni eine Orientierung geben. Sie könnte so aussehen, dass die europäische Raumfahrtagentur ESA in das Projekt einsteigt und es vorantreibt. Der Systemaufbau könnte dann in Pakete aufgeteilt und ausgeschrieben werden, die von der jeweils spezialisierten Industrie abgearbeitet würden. Mit dem Start des Systems wäre dann für 2011 zu rechnen.

Bislang sollte ein einziges Konsortium, das praktisch alle europäischen Hersteller einschlägiger Komponenten umfasste, Aufbau und Betrieb übernehmen. Die untereinander ebenfalls zerstrittenen Konsorten, teils gedrängt durch ihre EU-Länder, hatten aber am 10. Mai ein Ultimatum verstreichen lassen, sich auf ein Konzept zu einigen.

Die Industrie hatte unter anderem hohe Renditegarantien verlangt, weil die Einnahmeerwartungen alles andere als sicher sind. GPS ist weltweit kostenlos nutzbar, soll aber auch in vier Jahren nicht so genau arbeiten können wie Galileo. Dessen optimistische Renditeerwartungen waren vor einigen Jahren auf 9,3 Mrd. Euro beziffert worden, was in etwa den Aufbau-, Betriebs- und Finanzierungskosten entsprochen hätte. Inzwischen hat jedoch die Industrie Zweifel an der Einnahmenprognose angemeldet. EADS-Chef Thomas Enders vertrat am 10. Mai, dem letzten Tag des Ultimatums, die Ansicht, dass die öffentliche Hand die Infrastruktur übernehmen solle und die Industrie anschließend den betrieb. Das sei bei den existierenden Systemen auch nicht anders.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%