Rekordversammlung im All
Meilenstein beim ISS-Ausbau: Kibo ist fertig

„Kibo“ ist fertig! In einem fünfeinhalbstündigen Außeneinsatz haben zwei Astronauten an der Internationalen Raumstation ISS das japanische Forschungslabor vervollständigt.Nun geht es darum, alle Beteiligten heiol zurück zur Erde zu bringen.
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HB WASHINGTON. Beim Ausbau der Internationalen Raumstation ISS ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Nach einem Außeneinsatz von zwei US-Astronauten am Samstag im All ist das japanische Raumlabor „Kibo“ nun komplett. Die Amerikaner Tim Kopra und Dave Wolf brachten in Zusammenarbeit mit zwei Roboterarmen eine gut vier Tonnen schwere „Veranda“ an dem Modul an, eine Plattform, die zur Durchführung wissenschaftlicher Experimente im Freien dienen soll. Erschwert wurden die Arbeiten durch statische Störungen bei der Kommunikation zwischen dem Duo im Freien, der ISS-Besatzung und der Crew der angedockten Raumfähre „Endeavour“.

Dafür gab es aber eine andere ausgesprochen gute Nachricht: Die NASA-Bodenzentrale in Houston ließ die Shuttle-Besatzung wissen, dass keine speziellen Untersuchungen des Hitzeschilds ihrer Raumfähre nötig sind. Beim Start am vergangenen Mittwoch waren mehrere Stücke der Außentank-Isolierung abgesprengt worden, die kleine Einschläge verursacht hatten. Eine halbe Rückwärtsrolle der Raumfähre kurz vor dem Andocken, bei der ISS-Astronauten Bauch und Nase der „Endeavour“ fotografierten, bestätigten aber erste Einschätzungen der NASA- Experten am Boden, dass die Schäden kein Risiko darstellen.

Die Fotos würden noch weiter untersucht, sagte Shuttle-Programm- Manager John Shannon in der NASA-Zentrale in Houston. Aber es sehe „überhaupt nicht“ besorgniserregend aus. Der „Panzer“ von Schutzkacheln ist nötig, um die Raumfähre beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor der extremen Reibungshitze und damit vor einem Verglühen zu schützen.

Insgesamt halten sich derzeit Zeit 13 Astronauten auf einmal in der ISS auf - sechs Dauerbewohner und sieben Shuttle-Astronauten. Das ist eine Rekordversammlung mit ausgesprochen internationalem Flair: Den Crews gehören Amerikaner, Japaner, Kanadier, Europäer und Russen an.

„Kibo“ ist das größte Labor der ISS, drei Shuttle-Flüge waren nötig, um die Teile dafür heranzutransportieren. Bei ihrem rund fünfeinhalbstündigen Außeneinsatz befreiten Kopra und Wolf die neue Plattform zunächst aus ihrer Verpackung und bereiteten dann die Installation vor. Während sie sich anschließend anderen Arbeiten im Freien zuwandten, waren ihre an Bord gebliebenen Kollegen gefordert. Zwei bedienten den Shuttle-Roboterarm, hievten die „Veranda“ aus der Ladebucht der Raumfähre und übergaben sie dann an den von zwei weiteren Astronauten bedienten ISS-Kran. An Ort und Stelle wurde die Plattform durch einen automatischen Mechanismus befestigt.

Die Installation war das Hauptziel der insgesamt 16-tägigen Mission des Shuttle, der am 31. Juli auf der Erde zurückerwartet wird. Noch vier weitere Außeneinsätze sind geplant, der nächste an diesem Montag. Neben der Installation erster Instrumente zur Untersuchung der Reaktion von Materialien im Freien auf der Plattform steht dabei auch eine Serie von Reparaturarbeiten an. So konnten Kopra und Wolf erfolgreich eine verklemmte Vorrichtung zur Lagerung von Ersatzteilen auf dem „Rückgrat“ der ISS befreien. Die Installation einer zweiten ähnlichen „Vorratskammer“ musste vertagt werden, weil die Zeit knapp wurde.

Die statischen Störungen, die von - möglicherweise beim Aufsetzen verrutschten - Mikrofonen in Kopras Helm ausgingen, machten bei der Kommunikation häufig ein Nachfragen nötig. „Dave, man kann Dich nicht verstehen“, klang es wiederholt aus der ISS. Der NASA zufolge war das Problem zwar lästig, aber stellte zu keiner Zeit eine Gefahr für die Astronauten dar.

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