Relikte aus alten Tagen
Präzisionsarbeit für Chinas Kaiser

Zu Lebzeiten ließ der erste Kaiser von China, Qin Shihuangdi, Erbauer der chinesischen Mauer, prachtvoll geschmückte Gräber bauen, um seine Macht mit ins Jenseits nehmen zu können. Um diese Kulturgüter, zu denen unter anderem die berühmte Terrakottaarmee gehört, zu erhalten, leisten deutsche Archäologen in Xian wichtige Pionierarbeit

MAINZ. Qin Shihuangdi hatte ein Faible für Gigantomanie. Der Erste Kaiser von China lebte auf großem Fuß - an seinem Hof in Xian waren Tausende von Beamten, Soldaten und Dienern für ihn im Dienst, er hatte mehrere Frauen und einen Harem voller Konkubinen. Der Erbauer der Chinesischen Mauer wollte seine Macht mit ins Jenseits nehmen und ließ zu Lebzeiten sein Mausoleum bauen. Als er 210 v. Chr. starb, war die Grabanlage fertig: ein 50 Quadratkilometer großes Areal mit einer Erdpyramide für den Kaiser, 180 Gruben mit Beigaben und mehr als 400 Nebengräbern.

Zum unterirdischen Reich des Kaisers gehört nicht nur die weltberühmte 1974 in drei der Gruben entdeckte Terrakottaarmee. Qin Shihuangdi ließ in seiner Grabanlage auch eine unterirdische Gartenanlage mit Wasserlauf bauen, mit Kranichen, Schwänen und Gänsen aus Bronze, die erst seit ein paar Jahren ausgegraben werden. "Der ganze Hofstaat, Soldaten, Pferde, Tiere, wurde im Maßstab 1:1 mit ins Grab gegeben, das ist weltweit einzigartig", sagt Christian Eckmann, "die folgenden Kaiser konnten nicht mehr mithalten und verkleinerten ihre Grabbeilagen."

Zwei Jahre lang, von 2003 bis 2005, hat der Restaurator des Mainzer Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) im Archäologischen Institut der Provinz Shaanxi zusammen mit zwei deutschen Kollegen bis zu 20 Kilogramm schwere Bronzevögel restauriert. Aus verkrusteten, korrodierten Metallklumpen kamen nach und nach naturgetreu geformte Kunstwerke zum Vorschein, jedes individuell ausgearbeitet.

Die Mainzer Archäologen vom Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte leisteten Pionierarbeit in China. So mussten die für die Restaurierungsarbeit notwendigen Geräte - Diamantschleifer, Ultraschall-Feinmeißel und Mikroskope mit langen Schwenkarmen -, aus Deutschland eingeflogen werden. "Dank der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit konnten wir nach und nach Labore für die Restaurierung von Metall- und Tongegenständen und die Konservierung von Textilien einrichten", sagt dazu Jiao Nanfeng, Direktor des Archäologischen Instituts in Xian.

Seit 15 Jahren besteht die deutsch-chinesische Kooperation, 60 Fachleute wurden bisher ausgetauscht (siehe Kasten). Der Erfolg sei außerordentlich, sagt Falko Daim, Direktor des RGZM, und er gehe weit über archäologische Erkenntnisse hinaus: "Deutschland hat durch dieses kulturwissenschaftliche Engagement sehr viel für sein Image getan." Schwierigkeiten habe es gegeben, unterschiedliche Mentalitäten mussten zusammengebracht werden, aber man habe sich kennen gelernt und langsam Vertrauen aufgebaut. "Das Projekt kann zu einem Türöffner in China werden für ganz andere Projekte wie Kraftwerke. Von der wirtschaftlichen Seite her ist das nicht mit Gold aufzuwiegen."

Unüberwindbar schienen die Schwierigkeiten bei der Restaurierung von Seidengewebe aus der Schatzkammer des Famen-Tempels. Die Mineralogin Susanne Greiff: "Die Seide galt als unrestaurierbar, war wie altes, verwittertes Laub, das sofort bricht, wenn man es anfasst. Innen drin waren etwas besser erhaltene Stücke, die mussten restauriert werden."

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