RFID-Funkchips
Der Container sucht sich selbst den Weg

Noch werden Waren- und Materialströme von zentraler Stelle aus gesteuert. Doch intelligente Container sind dabei, einen Paradigmenwechsel in der Logistik einzuleiten. Diese prüfen mit Hilfe von Sensoren und Funkchips den Zustand der Fracht und helfen bei der Suche nach der optimalen Route. Und das ist erst der Anfang.

HAMBURG. In Zukunft werden selbstlenkende Prozesse und autonom kooperierende Frachtelemente die zentrale Steuerung der Warenströme ersetzen. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung markiert die Entwicklung eines Intelligenten Containers, den das Institut für Mikrosensoren, -aktuatoren und -systeme an der Universität Bremen gerade vorgestellt hat. Dieser ist in der Lage, das geladene Transportgut zu identifizieren und dessen Zustand, etwa den Reifegrad von Obst, zu überwachen. Den Beladevorgang überwacht ein Lesegerät für Funkchips, die auf Grundlage der Radio Frequency Identification-Technologie (RFID) arbeiten.

Ein drahtloses Sensornetzwerk kontrolliert kritische Frachtparameter, die Auskunft über den Zustand der Ladung geben. Eine Prozessoreinheit verarbeitet die anfallenden Daten, die ein Kommunikationsmodul an externe Datennetze weiterleitet. Der Container kann so Störungen wie etwa Staus oder den Ausfall des Kühlaggregats erkennen und seinen Besitzer oder den Frachtführer informieren. „Bei Bedarf kann der Container so seinen Transportprozess selbstständig ändern, um die geforderten Ziele trotz Änderungen der Umgebungsbedingungen zu erreichen", sagt Otthein Herzog, Professor an der Universität Bremen.

Noch wird der Transportweg des Intelligenten Containers zentral vorgegeben. In einem nächsten Schritt sollen Softwareagenten in die Telemetrieeinheiten des Containers integriert werden: Dann kann der Container bei Bedarf selbst seine Reiseroute ändern, indem er zum Beispiel Anweisungen an eine Logistiksoftware oder eine Kransteuerung senden könnte. In der Simulation funktioniert das bereits.

Matthias Jarke, Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) in Bonn, glaubt, dass derartige Lösungen in Zukunft die Logistik prägen werden. „Die globale Verfügbarkeit von Mobilkommunikation machen eine zentrale Planung weltweiter Logistikketten ineffizient", sagt er und spricht von einem Paradigmenwechsel in der Logistik: Weg von den herkömmlichen zentralen, hin zu dezentralen, autonom kooperierenden Logistiksystemen. Der Grund: Wenn Unternehmen ihre Materialflüsse in Echtzeit steuern, sind die zentralen Softwaresysteme zunehmend überfordert. Sie arbeiten auf der Grundlage einfacher Prämissen wie prognostizierbaren Durchlaufzeiten oder festen Operationszeiten. Schwankt die Nachfrage zu stark oder treten unerwartete Störungen ein, stoßen sie schnell an Grenzen.

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