RFID
Gläserne Produktion

RFID-Chips erobern die Fabrikhallen. Nach Handel und Logistik nutzen neuerdings Produktionsbetriebe die Vorteile der Technik. Weltweit zieht die Nachfrage deshalb auch kräftig an. Die Funketiketten verbessern die Qualität und spüren verlorengegangene Produkte auf.
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DÜSSELDORF. Ford IT-Manager Horst Baermann kämpft für mehr Tempo in der Produktion. Jede Karosserie erhält schon im Presswerk einen Barcode mit allen Auftragsdaten, um sie einem Kunden zuordnen zu können. Auf dem langen Weg durchs Werk bis zur Endmontage erfassen ihn Arbeiter an jeder Station mit einem Lesegerät neu. So weiß das computergesteuerte Produktionssystem stets, wo sich die Karosserie befindet.

Baermann stören nicht nur die vielen Handgriffe für das Auslesen. Er will auch das aufwendige Reinigen der Codes nach dem Lackieren einsparen. Im belgischen Genk testet der Autobauer deshalb seit wenigen Monaten die Identifizierung von Bauteilen mittels einer elektronischen Funketikette. Sie sendet ihre Daten automatisch an ein Empfangsgerät. Im Englischen heißt das Verfahren Radio Frequency Identification, kurz: RFID. Der Funkchip klebt an dem Transportschlitten und nicht an der Karosserie selbst. "Dort würde er das Lackieren stören", erläutert Baermann. Die Etikette muss Temperaturen von 600 Grad aushalten, bei denen der Lack in einer Art Ofen aushärtet.

Im Werk Saarlouis läuft ein zweiter Versuch mit Stoßstangen für die Ford-Focus-Baureihe. Auch hier musste früher nach jedem Lackierschritt der Barcode gereinigt und von Hand ausgelesen werden. "Der Test war erfolgreich. Wir werden RFID in diesem Sommer endgültig einführen", sagt Roland Göpfert, Leiter der Lackiererei.

Die Funkchips, die das berührungslose und automatische Identifizieren von Gegenständen ermöglichen, sind überall auf dem Vormarsch und lösen den bisher üblichen Strichcode ab. Nach Handel und Logistik nutzen neuerdings Produktionsbetriebe die Vorteile der Technik. Weltweit zieht die Nachfrage deshalb auch kräftig an. Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Bank Research werden die Umsätze bis zum Jahr 2010 auf 22 Milliarden Euro steigen - gegenüber 1,5 Milliarden 2004.

Honda nutzt die Technik, um im italienischen Atessa eine "gläserne" Motorradfertigung aufzubauen. Das Ziel sind schlankere Prozesse, weniger Ausschuss und Nacharbeit sowie eine verbesserte Qualität. Der US-Technologiekonzern IBM unterstützt die Japaner bei der für Anfang Juni geplanten Umstellung.

Die funkenden Label, die allen Motorradteilen angeheftet werden, optimieren die Produktion auf mehrerlei Weise: Die Fabrikmanager wissen jederzeit, wo sich Lenker, Tanks und Motoren befinden. Das erleichtert es, die Teile genau zur rechten Zeit ans Montageband zu schleusen und die Materialbestände rechtzeitig aufzufüllen. Bei Reklamationen können sie zurückverfolgen, wann das Krad gebaut wurde und wer für mögliche Fehler verantwortlich war.

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