Forschung + Innovation
Richterskala wird nur noch eingeschränkt benutzt

Erdbeben lassen die Erde auf vielfältige Weise erzittern: Kompressionswellen, Scherwellen und Oberflächenwellen breiten sich ganz unterschiedlich aus. Wer ein Beben vollständig erfassen will, etwa um eine Tsunamiwarnung auslösen zu können, muss möglichst das gesamte Spektrum der Schwingungen messen.

dpa HAMBURG. Erdbeben lassen die Erde auf vielfältige Weise erzittern: Kompressionswellen, Scherwellen und Oberflächenwellen breiten sich ganz unterschiedlich aus. Wer ein Beben vollständig erfassen will, etwa um eine Tsunamiwarnung auslösen zu können, muss möglichst das gesamte Spektrum der Schwingungen messen.

Die „nach oben offene“ Richterskala eignet sich dafür nicht und wird als Erdbebenmaß heute nur noch eingeschränkt benutzt. Mehrere Skalen sind parallel in Gebrauch, einen international vereinbarten Standard gibt es nicht. Als bestes physikalisches Maß für die Erdbebenstärke gilt derzeit die so genannte Momentmagnitude, die auch etwa die Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR, Hannover) und der US Geological Survey für große Beben benutzen.

Die meisten Skalen sind so konzipiert, dass sie zumindest bei schwächeren Beben ähnliche Werte ergeben. Sie liefern die Bebenstärke wie die Richterskala in Form einer so genannten Magnitude, einer Zahl ohne Einheit auf einer logarithmischen Maßstab. Eine Differenz von einer Magnitude bedeutet dabei ein zehn Mal stärkeres Beben - ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also zehn Mal so stark wie eines der Magnitude 4,0. Die von einem Beben freigesetzte Energie steigt dabei sogar um rund das 30fache.

Während etwa für die Momentmagnitude das gesamte Spektrum der seismischen Wellen eines Bebens bestimmt wird, basiert die 70 Jahre alte Richterskala auf den Ausschlägen eines mittlerweile aus der Mode gekommenen Wood-Anderson-Horizontalseismographen, der nur für einen ganz bestimmten Frequenzbereich empfindlich ist. Diese Ausschläge werden dann unter Berücksichtigung der geologischen Gegebenheiten auf eine Standardentfernung von 100 Kilometern umgerechnet.

Dieses vom US-Geophysiker Charles Francis Richter speziell für Kalifornien ersonnene Verfahren funktioniert aber nur für nahe Erschütterungen. Bei Entfernungen von mehr als etwa 1 000 Kilometern erreichen die Messstationen zunehmend Erdbebenwellen durch den Erdmantel oder sogar den Erdkern und nicht mehr vorrangig über die Erdkruste wie bei nahen Beben. Die Richter-Magnitude heißt daher in der Fachwelt auch Lokalmagnitude. Die BGR gibt die Stärke von kleineren Beben in Deutschland in der Regel weiterhin als Lokalmagnitude auf einer für deutsche Verhältnisse modifizierten Richterskala an.

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