Riesige Eisberge
Japan-Tsunami ließ Antarktis-Eis brechen

Der Tsunami, der Japan im März heimsuchte, hat auch am anderen Ende der Welt seine Spuren hinterlassen. Forscher haben mehrere Eisberge entdeckt, die durch die Gewalt der Wellen aus dem Antarktis-Eis gesprengt wurden.
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DüsseldorfDer Tsunami, der im März die Nordostküste Japans heimsuchte, hat auch am anderen Ende der Welt für Verwüstungen gesorgt. Auf Satellitenbildern vom Sulzberger-Eisschelf in der Antarktis haben Forscher der Weltraumbehörden Nasa und Esa die Spuren des Naturereignisses nachweisen können: Unter dem Einfluss der Tsunami-Ausläufer brachen hier mehrere riesige Eisberge ab und trieben ins antarktische Rossmeer ab.

Der größte dieser Eiskolosse hatte mit 9,5 mal 6,5 Kilometer etwa die Größe von Manhattan, berichten die Wissenschaftler um Nasa-Forscherin Kelly Brunt in der Fachzeitschrift „Journal of Glaciology“. Das Team hatte Radar-Daten des europäischen Forschungssatelliten Envisat ausgewertet, um Größe und Dicke der Eismassen bestimmen zu können.

Dass die Wellen dem Eisschelf derart zusetzen konnten, überrascht auf den ersten Blick. Verglichen mit den bis zu 23 Meter hohen Wasserwänden, die Japan überspülten, wurde die antarktische Küste nur von einem leichten Plätschern heimgesucht. Auf 30 Zentimeter schätzen die Experten die maximale Höhe der Tsunami-Ausläufer. Dass es trotzdem zu solch gravierenden Folgen kam, lag weniger an der reinen Kraft als an der Kontinuität der immer wieder gegen die Küste anrollenden Wellen, so die Forscher.

Das Sulzberger-Eisschelf ist ein knapp140 Kilometer langer und rund 80 breiter Eispanzer an der Küste der antarktischen Edward-VII-Halbinsel. Im Gebiet des jetzt beobachtenden Abbruchs war es seit mindestens 46 Jahren nicht mehr zu nennenswerten Eisbrüchen gekommen. Die Region liegt rund 13.000 Kilometer entfernt vom Zentrum des Seebebens, das sich am 11. März vor der japanischen Ostküste ereignete und den schweren Tsunami auslöste.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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