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Riskanter Alkoholkonsum: Erhobener Zeigefinger hilft wenig

Bei Menschen mit einem hohen Alkoholkonsum helfen der erhobene Zeigefinger und der Druck zur Krankheitseinsicht nur wenig. Viel wichtiger ist nach Ansicht von Experten der Wunsch nach Veränderung, und sei er zunächst noch so klein.

dpa MüNSTER. Bei Menschen mit einem hohen Alkoholkonsum helfen der erhobene Zeigefinger und der Druck zur Krankheitseinsicht nur wenig. Viel wichtiger ist nach Ansicht von Experten der Wunsch nach Veränderung, und sei er zunächst noch so klein.

Das sagte Psychologe Ralf Demmel am Donnerstag am Rande eines internationalen Kongresses in Münster. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gilt der Alkoholkonsum als riskant, wenn Männer mehr als einen dreiviertel Liter Bier oder die Hälfte davon an Wein pro Tag trinken. Bei Frauen gilt ein erhöhtes Risiko für Alkoholabhängigkeit, wenn sie täglich mehr als einen halben Liter Bier oder einen Viertel Liter Wein trinken.

„Die Richtwerte müssen aber auf die Woche hochgerechnet werden: Wer also in der Woche gar nichts oder wenig trinkt, dafür aber am Wochenende dem Alkohol übermäßig zuspricht, für den gilt das gleiche“, sagte Demmel auf dem Kongress, der vom Psychologischen Institut der Universität Münster ausgerichtet wurde. In Deutschland hätten zwischen 15 und 20 Prozent der Menschen einen so genannten riskanten Alkoholkonsum.

Beim Umgang mit solchen Risikopatienten sei eine Veränderung dringend nötig. Wer als Arzt oder Angehöriger mit konfrontativen und auch diskriminierenden Gesprächen auf die Einsicht des Patienten dränge, ernte nur den Widerstand des Betroffenen.

Dabei seien nach neueren Studien kurze, sachliche und vor allem wertungsfreie Gespräche viel Erfolg versprechender. „Der Arzt sollte den Patienten etwa über seinen körperlichen Zustand oder die WHO-Richtwerte informieren.“ Den Schluss daraus müsse der Betroffene dann selbst ziehen.

Vor diesem Hintergrund wurde auf dem Kongress das Netzwerk Inebria (International Network on Brief Interventions for Alcohol Problems) offiziell gegründet. Damit sollen die neuen Konzepte der so genannten Sekundärprävention - also der Vorbeugung bei Risikogruppen und nicht bei der Gesamtbevölkerung - stärker in die Ärzteschaft getragen werden. An dem Kongress nahmen Experten aus 15 Ländern teil

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