Ritterliche Insekten
Grillen-Männchen opfern sich für ihre Liebste

Bei Gefahr offenbaren männliche Feldgrillen ausgesprochen ritterliche Züge: Sie sorgen sich erst um die Sicherheit der Partnerin – selbst wenn sie selbst dabei im Magen eines Fressfeindes landen.
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DüsseldorfDie Einsicht, dass die Grille „eine Kakerlake mit der Seele einer Nachtigall“ ist, verdanken wir dem portugiesischen Schriftsteller José Cardoso Pires (1925-1928). Wissenschaftler der Universität Exeter haben diesem poetischen Bild nun eine weitere Facette hinzugefügt. Sie konnten beobachten, dass männliche Feldgrillen im Umgang mit ihren Partnerinnen ein geradezu ritterliches Verhalten an den Tag legen: Sie beschützen ihre Weibchen – auch unter Einsatz des eigenen Lebens.

Rolando Rodríguez-Muñoz, Tom Tregenza und Amanda Bretman beobachteten im nördlichen Spanien Feldgrillen (Gryllus campestris) über mehrere Brutzeiten hinweg. Den Tieren wurden Rückenschildchen mit Nummern angeklebt. Außerdem entnahmen die Forscher jeder Grille ein winziges Gewebestück für eine DNA-Analyse.

Mit Kameras und Mikrofonen wurde erfasst, welche Grille sich mit welchem Partner gepaart hatte und wie lange die Pärchen zusammenblieben. Registriert wurde auch, welche Männchen miteinander um Weibchen kämpften und wie lange die Männchen zur Balz zirpten.

Die Analyse von über 200.000 Stunden Videomaterial zeigte, dass es kein aggressives Verhalten der Männchen gegenüber ihren Weibchen gab. Im Gegenteil: Bei Gefahr – etwa wegen eines angreifenden Vogels – ließen sie ihre Liebsten zuerst in den Bau flüchten, auch wenn sie damit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten.

„Männliche und weibliche Grillen werden normalerweise gleich oft gefressen. Aber als Paar steigt die Lebensgefahr des Männchens deutlich an, während die Weibchen die Beutezüge stets überleben“, erklärt Rodríguez-Muñoz.

Das ritterliche Verhalten sei aber nicht rein altruistisch: Die Männchen nähmen die erhöhte Lebensgefahr für eine deutlich erhöhte Fortpflanzungsrate in Kauf. „Selbst wenn das Männchen stirbt, trägt das Weibchen die von ihm befruchteten Eier aus und sichert so das Weiterleben seiner DNA“, so Rodríguez-Muñoz.

Die Studie gebe einen Einblick in die natürliche Auslese, schreiben die Forscher. Die Verhaltensmuster könnten wahrscheinlich auch auf andere Insektenarten angewandt werden. „Vielleicht werden die Weibchen gar nicht so sehr herumkommandiert wie wir immer gedacht haben“, so Tregenza.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Jaja, so sind wir Männer eben!

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