Robotik-Forschung
Die Autonomie-Bewegung

Frank Kirchner hat seine Forschung zum Laufen gebracht. Er dressiert Laufroboter, damit sie nicht mehr über Stock und Stein stolpern. Indem er sich an biologischen Systemen orientiert, gibt der Robotikforscher selbst bizarren Vielbeinern einen natürlichen Laufstil.

Der Laufroboter lässt erstmal alle acht grade sein. So viele Beine hat der Skorpion. Er regt sich nicht - bis Frank Kirchner die Tasten seines Laptops bedient. Ein Ruck geht durch die Maschine. Sie läuft. Mehrere Beine wirbeln gleichzeitig durch die Luft und klatschen mit ihren Pfennigabsätzen simultan auf das Linoleum des Bremer Versuchslabors.

Die insektenartige Figur ist zwar dem Skorpion abgeschaut. Doch die Maschine, die da in Kniehöhe auf dem Boden krabbelt, hat evolutionär betrachtet ihren Namensgeber längst überholt. Sie koordiniert ihre Bewegungen bereits ähnlich wie der Mann am Laptop - Frank Kirchner. Nämlich menschlich.

Der Direktor der Forschungsgruppe Robotik am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Professor an der Bremer Universität hat der Maschine ein menschliches Laufmuster programmiert und damit der Roboterbewegung einen neuen Weg gewiesen. Wo andere Blechgestalten nicht mehr weiter wissen, gehen seine Automaten einfach voran.

Die Fachwelt applaudiert: "Der Skorpion hat unsere Forschung nachhaltig beeinflusst", sagt Kollege Frank Pasemann vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme in St. Augustin. Derzeit testet die NASA in den USA an einer Kopie des Skorpions, ob solche Laufroboter, die autonom unterwegs sind und nicht ständig ins Straucheln geraten, auch im Weltall losgelassen werden können.

Die bisherigen Automaten auf Mond und Mars waren auf Rädern unterwegs und damit zwar sehr energieeffizient. Doch sie stießen schnell auf unüberwindliche Hindernisse: Schon kleine Steinchen machten ihre Umgebung für sie zur No-go-Area. Laufroboter sind da gewandter - zumindest in der Theorie. In der Praxis kamen die getesteten Exemplare schon auf Erden rasch ins Schwanken. Nicht so der Skorpion aus dem Bremer DFKI-Labor. Der läuft und läuft.

Das liegt aber weniger an seinem bizarren Äußeren als an der Software, die sein Laufen steuert. Kurz gesagt denkt er einfach weniger übers Laufen nach als seine Kollegen. Seine Steuerung ahmt einen voranschreitenden Menschen nach, nicht einen übers Laufen nachdenkenden Computer. Das ist neu.

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