Robotikindustrie hofft auf Umsatzschub
Ein Muskelprotz unter den Robotern

Der Anlagenbauer Kuka stellt den weltweit ersten Automaten vor, der tonnenschwere Teile heben kann. Das ist mehr als Spielerei: Mit solchen Innovationen will sich die Robotikindustrie aus dem Tief stagnierender und schrumpfender Geschäfte befreien. Gerade Schwergewichtler haben da gute Chancen.

TÜBINGEN. Weltrekord im Gewichtheben der Roboter: Der Augsburger Anlagenbauer Kuka hat einen Automaten entwickelt, der ein Bauteil bewegen kann, das eine Tonne wiegt. Bislang lag die Obergrenze je nach Hersteller zwischen 500 und 750 Kilo. Die Kraftmeierei des „Titan“ getauften Schwergewichtlers ist mehr als die Sucht nach Rekorden. Sie soll Märkte öffnen, die bisherige Geräte nicht bedienen können.

Die Robotikindustrie hat schwierige Jahre mit stagnierenden und sogar schrumpfenden Umsätzen hinter sich. Dies könnte sich nun ändern. „Wenn die Wirtschaft anzieht, werden die Umsätze 2007 und 2008 explodieren“, schätzt Alexander Verl, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart.

Der Forscher sieht gerade für die Schwergewichtler eine Reihe potenzieller Anwendungsfelder. „In der Automobilindustrie wäre man nicht so begrenzt beim Bewegen kompletter Karossen. Und bislang war auch das Anheben schwerer Gusserzeugnisse noch nicht möglich“, nennt Verl Beispiele. Bislang bewegen Kräne solche Lasten, die sind aber weniger flexibel. Auch den Einsatz im Schiffbau oder beim Zusammenbauen von schweren Maschinen kann sich Verl durchaus vorstellen.

„Wir gehen auch davon aus, dass unser Produkt zudem in der Architektur, bei der Konstruktion großer Glasfassaden, eingesetzt wird“, sagt Kuka-Geschäftsführer Martin Sträb. Um die Leistungssteigerung zu erreichen, haben die Augsburger in vielen Bereichen Neuland betreten. „Eine bloße Weiterentwicklung unserer 500-Kilo-Roboter hätte nicht funktioniert“, sagt Forschungschef Ralf Koeppe. Vor allem die bis dahin verwendeten Antriebe hätten die enormen Kräfte nicht vertragen.

Die Alternative waren größere Motoren. Doch dann wäre der Roboter riesig und zu schwer geworden. Koeppe und seine Entwicklungsmannschaft arbeiteten mit einem Trick aus der Luft- und Raumfahrttechnik: Nicht ein Motor, sondern zwei wirken auf ein Getriebe ein. Die Last ist verteilt. Das erfordert allerdings eine aufwändige Regelungstechnik, um die beiden Motoren aufeinander abzustimmen.

„Hilfreich bei der Entwicklung war, dass wir ein komplettes Abbild der Maschine im Rechner erzeugen können“, so Koeppe. Das bedeutet, dass es nicht nur die üblichen dreidimensionalen Zeichnungen einzelner Bauteile gibt. Modelliert wurden auf dem Rechner die Steuerung, die Regelung und der komplette Antrieb. „Die Abweichung zwischen unserem virtuellen Prototypen und dem realen Produkt beträgt höchstens 10 Prozent“, so Koeppe.

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