„Rosetta“ Europas Weltraumsonde wieder aufgewacht

Nach einem fast tausend Tage langen Tiefschlaf rückt Europas erste Landung auf einem Kometen näher. Die Mission wird mit der Mondlandung 1969 verglichen und soll Daten zur Entstehung des Sonnensystems liefern.
Update: 21.01.2014 - 02:44 Uhr Kommentieren

Um 10 Uhr ist Raumsonde „Rosetta“ erwacht

DarmstadtDie geplante erste Landung Europas mit einem Minilabor auf einem Kometen rückt näher. Nach 957 Tagen in energiesparendem Tiefschlaf hat die Weltraumsonde „Rosetta“ der europäischen Raumfahrtagentur Esa ihren programmierten Wecker am Montag klingeln gehört und ist wieder aktiv. Sie kann nun mit ihrem Minilabor an Bord dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ hinterherjagen.

Das erste Signal der aufgewachten Sonde erreichte das Esa-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt am Abend etwas mehr als acht Stunden nach dem Weckruf. „Rosetta“ ist seit 2004 im All, mehr als 800 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und musste nach dem Winterschlaf erst wieder warm werden.

„‚Rosetta‘“ gehört zu den herausforderndsten Missionen des Weltraums“, sagte der Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter. Ihr Landegerät „Philae“ soll im November auf dem Kometen landen. Weltraumforscher vergleichen das Vorhaben mit der Mondlandung 1969. Die Mission soll Daten zur Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahre liefern. „Das ist ein neuer Schritt“, meinte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

Die Erde als Kunstwerk
Gletscher-Beobachtung in Echtzeit
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Nasa-Forscher sehen Gletschern beinahe in Echtzeit beim Fließen zu. Grundlage dafür sind Bilderdaten des Satelliten Landsat 8. Eine neue Software erkennt in diesen Bildern Oberflächenstrukturen. Werden Bilder von aufeinanderfolgenden Zeitpunkten des gleichen Ortes analysiert, lässt sich die Bewegung und Geschwindigkeit des Eises berechnen – und damit wichtige Informationen etwa zum Klimawandel gewinnen.

Hier nun weitere Schnappschüsse von Satelliten des Landsat-Programms.

Insel Gotland
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Wie mit dem Pinsel Van Goghs gemalt erscheint die See um die schwedische Insel Gotland auf diesem Satellitenbild. Die grünlichen Wirbel markieren große Ansammlungen von Phytoplankton. Die Mikroorganismen im Meer treten immer dann massenhaft auf, wenn Tiefenströmungen nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche befördern.

Mississippi-Schleifen
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Südlich von Memphis, an der Grenze der US-Bundesstaaten Arkansas und Mississippi, erstreckt sich diese Landschaft, die von den Schleifen und Nebenarmen des größten Flusses Nordamerikas geprägt ist.

Yukon-Delta in Alaska
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Hoch im Norden des amerikanischen Kontinents schiebt ein anderer Fluss mit großem Namen seine Wassermassen in den Ozean. Der Yukon bildet im Südwesten Alaskas eines der größten Flussdeltas der Welt, das auf dieser Landsat-Aufnahme besonders gut zu erkennen ist - Platz 2.

Lake Eyre
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In dieser Form ist der Lake Eyre nur selten zu sehen. Denn der größte See Australiens ist nicht immer so gut gefüllt wie auf dieser Aufnahme: Im Schnitt nur vier Mal pro Jahrhundert erreicht der See seine größte Ausdehnung von knapp 10.000 Quadratkilometern.

Sahara-Dünen
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Dünenkämme bilden ein bizarres Strichmuster in diesem als Erg Iguidi bekannten Teil der Sahara.

Dallas
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Keine Landsat-Galerie wäre vollständig ohne dieses Foto: Am 25. Juli 1972 aufgenommen, war diese Aufnahme des Großraums Dallas das erste veröffentlichte Foto der Satellitenmission.

Kometen führen wie ein riesiger Kühlschrank Material aus der Urgeschichte in gefrorenem Zustand mit sich. „Sie besitzen die Materie von der Entstehung des Sonnensystems“, beschrieb Reiter ihre Bedeutung. „Damit charakterisieren sie die Geschichte unserer Erde“, sagte Esa-Flugdirektor Paolo Ferri.

„Rosettas„ Wecker klingelte am Morgen um 11.00 Uhr (MEZ). Ihr entscheidendes Signal dauerte so lange, weil die Sonde ihr System erst wieder hochfahren musste. Dann richtete sie ihre Antenne aus und schickte später ihr „Hallo, ich bin wach“ zur Erde. Experten rechneten damit, dass das Signal die Entfernung in etwa 45 Minuten schaffte.

Für die Wissenschaftler steht schon der nächste wichtige Termin im Kalender: Der Weckruf für das Landegerät „Philae“ ist nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am 28. März geplant. Eine Landung auf einem Kometen sei schwieriger als etwa auf einem Asteroiden, sagte der „Philae“-Leiter dem DLR, Stephan Ulamec. „Ein Komet gast aus und hat auch einen Schweif.“

„Rosetta“ war am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana aus ins All gestartet. Bis zum Kometen ist es für sie - für Weltall-Verhältnisse - mit neun Millionen Kilometern nicht mehr allzu weit.

Das Ende der Mission ist für Dezember 2015 geplant. „Rosetta“ wäre dann 7,1 Milliarden Kilometer geflogen. „Philae“ wird das Abenteuer aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überleben: Wenn alles nach Plan läuft und der Komet im August 2015 auf seiner Bahn der Sonne am nächsten ist, wird es für den Lander glühend heiß.

  • dpa
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