Roter Planet soll „Rosetta“ bremsen
Europäische Sonde passiert den Mars

Die Ingenieure des Kontrollzentrums der Europäischen Weltraumbehörde Esa in Darmstadt haben mit den letzten Vorbereitungen für ein waghalsiges Raumflug-Manöver begonnen. Am 25. Februar soll die Sonde Rosetta auf ihrem Weg zum Kometen „67P Churyumov-Gerasimenko“ den Mars passieren.

HB DÜSSELDORF. Rosetta ist seit 2004 unterwegs und soll den Kometen 2014 erreichen. Die Sonde nutzt den Roten Planeten nun als „Gravitationsbremse” zum Verringern ihrer Fluggeschwindigkeit und zur Flugbahnänderung im Rahmen der zehn Jahre dauernden und 7,1 Mrd. Kilometer langen, komplizierten Reise zum Kometen. Das Manöver ist riskant, da die Sonde hinter dem Mars vorbeifliegen wird und damit der Abbruch des Funkkontakts verbunden ist. Es erfordert daher präzise Navigation und komplexe, von Bodenstationen durchgeführte Positionsbestimmungen. Die Geschwindigkeit des Esa-Kometenjägers im Verhältnis zum Mars beträgt über 30 000 Kilometer pro Stunde.

„Das Zünden der Triebwerke am vergangenen Freitag war erfolgreich. Am Dienstag bestätigten wir, dass die Sonde für den Vorbeiflug ordnungsgemäß vorbereitet ist“, sagte Paolo Ferri, Flugdirektor der Rosetta-Mission im Esa-Kontrollzentrum. Die Missionsmannschaft hat schon mit dem Aufladen der Batterie von Rosetta begonnen, damit die Sonde für das 25 Minuten dauernde Verschwinden hinter dem Mars gewappnet ist. Während der Verdeckung verhindert Mars das Auftreffen von Sonnenlicht auf Rosettas Solarzellenflügel. Alle nicht unbedingt notwendigen Systeme werden daher abgeschaltet oder in den Energiesparmodus gebracht.

Die ursprüngliche Flugbahn und das Design der Raumsonde sahen keine Vorbeiflüge hinter Himmelskörpern vor. Unvorhergesehene Startverzögerungen erzwangen jedoch eine Neubestimmung der Reiseroute. Daher waren monatelange Planungen und Tests von Energiesparmöglichkeiten nötig, damit die Sonde sicher mit Batterien betrieben werden kann.

Zum Zeitpunkt der größten Annäherung an den Mars fliegt Rosetta nur 250 Kilometer an seiner Oberfläche vorbei. Zu diesem Zeitpunkt sind die Esa-Raumsonde Mars Express 11 042 Kilometer und der Mars Reconnaissance Orbiter der Nasa 7 172 Kilometer von Rosetta entfernt.

Von DSA 1, der in New Norcia (Australien) ansässigen Raumflugkörper-Verfolgungsstation der Esa, durchgeführte Positions- und Dopplermessungen wurden mit Daten aus dem Deep Space Network (DSN) der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa kombiniert.

Beide Netzwerke nutzen zur exakten Positionsbestimmung von Raumflugkörpern das Delta-DOR-Verfahren (Delta Differential One-Way Ranging): Zwei weiträumig entfernte Stationen messen den Zeitunterschied zwischen zwei an beiden Stationen eintreffenden Signalen des Raumflugkörpers. Die Esa setzte dieses Verfahren erstmals im Jahr 2006 zur Positionsbestimmung der Sonde Venus Express ein.

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