RWI-Studie: Solarstrom – teuer und ineffizient

RWI-Studie
Solarstrom – teuer und ineffizient

Das sächsische Leipzig ist nicht unbedingt sonnenverwöhnt, dennoch wurde nahe der Stadt am Montag mit dem Bau des weltweit größten Solarstrom-Kraftwerks begonnen - der üppigen Solarstrom-Förderung in Deutschland sei Dank. Nach Ansicht des Forschungsinstitutes RWI sollte diese Förderung schleunigst verringert werden, denn sie sei nicht nur teuer, sondern auch ineffizient.

ESSEN. Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) mit Sitz in Essen wird sich die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für die bis heute installierten Anlagen auf insgesamt 14,3 Mrd. Euro summieren. Würden die derzeitigen Förderbedingungen für die Photovoltaik bis 2020 fortgeschrieben, müssten die Verbraucher am Ende sogar 63 Mrd. Euro zusätzlich zahlen, heißt es in einer RWI-Studie, die dem Handelsblatt vorliegt.

Das EEG dient der Förderung der Stromproduktion aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse. Die Anlagenbetreiber erhalten für Ökostrom, den sie ins Netz einspeisen, Vergütungen, die zum Teil erheblich über den Marktpreisen für konventionell erzeugten Strom liegen. Die Zusatzkosten werden auf die Verbraucher umgelegt.

Das EEG fördert die verschiedenen Ökostrom-Varianten unterschiedlich. Entgegen einer Orientierung am Kriterium der ökonomischen Effizienz werde die Photovoltaik mit Abstand am stärksten unterstützt, kritisiert das RWI. Für 2006 betrug die Einspeisevergütung je Kilowattstunde Solarstrom 51,8 Cent. „Damit sind die Vergütungen für Solarstrom rund zehnmal höher als die Erzeugungskosten konventionellen Stroms und betragen mehr als fünfmal soviel wie jene für Windenergiestrom, der 2006 mit 8,7 Cent gefördert wurde“, heißt es in der RWI-Studie.

Die Höhe der Förderung für erneuerbare Energien steht in der großen Koalition auf der Tagesordnung. Im Koalitionsvertrag heißt es, das EEG solle in seiner Grundstruktur fortgeführt werden. Man werde „aber die wirtschaftliche Effizienz der einzelnen Vergütungen bis 2007 überprüfen“.

Das RWI kritisiert, die Kosten für die Photovoltaik-Förderung stünden in keinem vernünftigen Verhältnis zu Beschäftigungs- und Klimaschutzeffekten. Nach Berechnungen des Instituts wird jeder einzelne Arbeitsplatz in der Photovoltaik-Branche mit 128 900 Euro subventioniert. Jede durch Solarstrom vermiedene Tonne Kohlendioxid müsse mit 900 Euro erkauft werden. „Die einzig richtig wirtschaftspolitische Schlussfolgerung ist somit die umgehende drastische Reduzierung der Einspeisevergütung für Solarstrom, denn dies ist die bei weitem teuerste Variante, um Klimaschutz zu betreiben“, sagte Manuel Frondel, einer der Autoren der Studie. Es werde höchste Zeit, die Höhe der Einspeisevergütung deutlich degressiver als bislang zu gestalten und der stark verbesserten Effizienz bei der Anlagenproduktion anzupassen, sagte Frondel.

Rückendeckung erhält das RWI von Verbraucherschützern. „Es hat in den vergangenen Jahren bei der Erzeugung von Ökostrom erhebliche Lernkurven gegeben. Gerade die Photovoltaik-Branche hat aber die gesunkenen Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben. Es kann nicht sein, dass die Verbraucher diese Mitnahmeeffekte über das EEG finanzieren. Die Einspeisesvergütungen müssen daher deutlich sinken“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, dem Handelsblatt. Auch Branchen-Insider mahnen Änderungen an. „Wenn wir die Vergütung nicht den Kosten anpassen, dann fliegt uns das um die Ohren“, warnte Philippe Welter, Herausgeber der Fachzeitschrift „Photon“.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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