Säugetiere
Geruchssinn führte zu großem Gehirn

Der Geruchssinn von Säugetieren gab vermutlich den Anstoß für eine schubartige Entwicklung des Gehirns bei Säugetieren. Es war aber vermutlich nicht der einzige Sinn, das Wachstum des Gehirns förderte.
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WashingtonEiner US-Studie zufolge gab die Verbesserung des Geruchssinns bei den Ur-Säugern den Anstoß zu einem kräftigen Entwicklungsschub des Gehirns. Auch die verbesserte Fähigkeit, Berührungen mit den Körperhaaren zu spüren, trug zum Wachstum des Gehirns bei. Dies berichten US-Forscher nach der Untersuchung von zwei Tieren, die vor etwa 190 Millionen Jahren auf der Erde lebten. Sie stellen ihre Untersuchung im Fachblatt „Science“ (Bd. 332, S. 955) vom Freitag vor.

Unter allen lebenden Tiergruppen haben Säugetiere das im Vergleich zu ihrem Körper größte Gehirn. Außerdem verfügen nur sie über einen sogenannten Neokortex, den stammesgeschichtlich jüngsten Teil der Großhirnrinde. Zur Frage, wieso ausgerechnet die Säugetiere ein so großes Gehirn entwickelten, gibt es unter Experten zahlreiche Theorien. Timothy Rowe von der University of Texas in Austin und seine Mitarbeiter untersuchten nun die Gehirne von zwei der frühesten Säugetiervorläufer aus dem frühen Jura in China: Es handelte sich dabei um Morganucodon oehleri, einen spitzmausähnlichen Vertreter der Säugtierartigen und um Hadrocodium wui, einen winzigen, nur zwei Gramm schweren Ur-Säuger.

Die Wissenschaftlern untersuchten die fossilen Schädel der Tiere per Computertomographie. Dies erlaubte es ihnen, einen virtuellen Abdruck des inneren Schädels zu erstellen und daraus Größe und Gestalt des Gehirns und der Nasenhöhle zu rekonstruieren, ohne die kostbaren Fossilien zu zerstören. Das Team verglich die Abdrücke dann mit denen von mehr als einem Dutzend anderer Fossilien und zudem mit etwa 200 heute lebenden Säugetieren. Es zeigte sich, dass Morganucodon und Hadrocodium ein etwa 50 Prozent größeres Gehirn besaßen als selbst ihre nächsten damals lebenden Verwandten. Das Verhältnis von Gehirn zu Körpergröße entsprach in etwa der moderner Säugetiere.

Die genauere Untersuchung der Hirnabdrücke ergab, dass vor allem die Nasenhöhle und die Regionen des Gehirns zur Wahrnehmung von Gerüchen stark vergrößert waren. Dies deute auf einen stark verbesserten Geruchssinn der Ur-Säuger hin, schreiben die Forscher. Außerdem seien die Hirnregionen, die zur Verarbeitung von Berührungsreizen des Fells genutzt wurden, vergrößert. „Ein derart hoch entwickelter Geruchs- und Tastsinn war für das Überleben und Gedeihen der Säuger in der Frühzeit unserer Entwicklung äußerst wichtig gewesen“, sagte der an der Untersuchung beteiligte Forscher Zhe-Xi Luo vom Carnegie Museum of Natural History laut einer Pressemitteilung. Schließlich habe das Gehirn mit der Verbesserung der motorischen Fähigkeiten eine weitere Vergrößerung erfahren, berichten die Forscher weiter.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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