Safranski: Wissenschaftler achten zu wenig auf Sprache und Stil

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Safranski: Wissenschaftler achten zu wenig auf Sprache und Stil

Deutsche Wissenschaftler achten nach Meinung des Philosophen Rüdiger Safranski beim Schreiben zu wenig auf Sprachstil und Verständlichkeit und erreichen deshalb weniger Menschen als möglich. „Das ist ein großes Defizit, vor allem bei den Geisteswissenschaftlern“, sagte Safranski einem dpa-Gespräch

dpa STUTTGART. Deutsche Wissenschaftler achten nach Meinung des Philosophen Rüdiger Safranski beim Schreiben zu wenig auf Sprachstil und Verständlichkeit und erreichen deshalb weniger Menschen als möglich. „Das ist ein großes Defizit, vor allem bei den Geisteswissenschaftlern“, sagte Safranski einem dpa-Gespräch

Forscher gäben sich häufig nicht genug Mühe, zugleich verständlich und ansprechend zu schreiben. Safranski erhält an diesem Dienstag die Professorenwürde aus der Hand des baden- württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU).

Langweilige oder unnötig komplizierte Schreibe sowie trockene Vortragsweise hängen nach Safranskis Einschätzung auch mit den Anforderungen an Dozenten zusammen: „In Amerika müssen sich Professoren viel mehr vor ihren Studenten bewähren - auch, da sie oft nur befristete Verträge haben. Wer es nicht schafft, sich verständlich zu machen, ist schnell weg vom Fenster.“

Mangelnde Faszination der Autoren für die eigene Arbeit ist nach Safranskis Ansicht ein weiterer Grund, warum sich Leser immer wieder über eine trockene oder gespreizt klingende Sprache ärgern müssen. „Ganz entscheidend ist doch die eigene Begeisterung, nur die ist ansteckend“, sagte Safranski. „Viele Sachen entstehen aber, weil sich ein Forscher damit für eine andere Stelle bewerben kann, und nicht, weil ihn das Thema mitreißt.“ Safranski selbst fühlt sich einem „literarischen Standard“ verpflichtet und hat sich mit verständlichen Büchern über Dichter und Philosophen von Schiller bis Heidegger einen Namen gemacht.

Auch sei nicht zuletzt wegen der Reizüberflutung in den Medien bei Abiturienten und Studenten die Fähigkeit, sich nachhaltig zu konzentrieren, dramatisch zurückgegangen, sagte Safranski. Es gebe Schätzungen, nach denen es in Kulturnationen wie Italien schon 40 Prozent „tertiäre Analphabeten“ gebe, also Menschen, die nicht mehr die Konzentrationsfähigkeit aufbringen, einen längeren Text zu lesen. „Kluge Medienwissenschaftler werden sagen, das ist das Ende des Gutenbergzeitalters - aber was das dann bedeutet, können wir uns noch nicht ausmalen“, meinte Safranski. „Wir sitzen auf einer tickenden Zeitbombe.“

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