Satellitennavigationssysteme
Wettlauf um den letzten Meter

Das Wettrennen um die metergenaue Standortbestimmung hat begonnen: Für das kommende Jahrzehnt planen alle fünf großen Wirtschaftsblöcke der Welt eigene Satellitennavigationssysteme. Auch der Neustart des europäischen Galileo-Projektes nimmt Fahrt auf, bis Jahresende sollen die Verträge für den Galileo-Aufbau vergeben werden. Der Bieterwettkampf beginnt.

MÜNCHEN. Neben den USA mit dem bestehenden GPS und Europa mit Galileo starten auch Russland, Japan und China eigene Positionssysteme. Satellitenbauer, Telekommunikationskonzerne und Gerätehersteller versprechen sich ein Milliardengeschäft.

Der Neustart des europäischen Galileo-Projektes nimmt Fahrt auf. „Ich will bis Jahresende die Verträge für den Galileo-Aufbau vergeben“, sagte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot am Donnerstag in München auf dem „Munich Satellite Navigation Summit“. Die europäische Kommission baut mit der Weltraumagentur ESA das ambitionierte Satellitenprojekt gemeinsam auf, nachdem im vergangenen Jahr ein Industriekonsortium an der Aufgabe gescheitert ist. 3,4 Mrd. Euro soll der Bau der Satelliten, deren Start und die Bodeninfrastruktur kosten. „2013 wird das System einsatzbereit sein“, verspricht Barrot.

Favorit für den Bau der Bodeninfrastruktur ist der französische Thales-Konzern, in Deutschland zeichnet sich ein Bieterwettkampf zwischen der EADS-Tochter Astrium und dem Bremer Technik-Konzern OHB ab. Beide reklamieren den Auftrag für den Bau der 30 Positionssatelliten für sich, das Volumen wird auf eine Mrd. Euro geschätzt.

Die potentiellen Nutznießer der europäischen Milliardeninvestition drängen auf Fortschritte. Denn die im Weltraum kreisenden Atomuhren sollen die Industrie unabhängig machen vom derzeitigen Monopolisten, dem amerikanischen GPS-System. „Niemand wartet auf Galileo, aber es ist gut, wenn es kommt“, sagt Herbert Blaser, Marketingchef der Schweizer U-Blox, einem Chipdesigner für Navigationsgeräte. „Was wir brauchen“, fordert er, „sind zuverlässige Aussagen über die geplanten Galileo-Dienste und wofür wir zahlen sollen. Sonst können wir nicht investieren“. Die Industrie will Chips entwickeln, die Galileo- und GPS-Signale kombinieren und somit eine Positionsgenauigkeit deutlich unter einem Meter erreichen.

„Wir können bald Handys mit Satellitennavigation für 200 Euro anbieten, das ist dann der Durchbruch zum Massenmarkt“, sagt Frank van Diggelen, technischer Direktor von Broadcom. Der kalifornische Chipdesigner liefert bereits jetzt Prozessoren für GPS-basierte Handys, wie sie Sony Ericson vertreibt. Handy und Navigationssysteme verschmelzen in Zukunft zu einem Gerät, sagt van Diggelen. „Galileo wird helfen, vor allem in Städten ein deutlich verbessertes Signal zu empfangen“, sagt der Amerikaner.

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