Satellitensystem Galileo
Griff nach den Sterntalern

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA versucht, die Blockade beim Satellitenprojekt Galileo aufzulösen. Nach Informationen des Handelsblatts plant die Raumfahrtagentur eine Zwischenfinanzierung, um den weiteren Aufbau des Systems sicherzustellen. Dazu könnten derzeit nicht gebrauchte ESA-Mittel vorgezogen werden.

HB MÜNCHEN.Derzeit klafft eine Finanzierungslücke von rund 430 Millionen Euro in dem Projekt. Die Zwischenfinanzierung soll den EU-Partnern Zeit geben, ihre Differenzen über Kompetenzen und wirtschaftliche Rückflüsse beizulegen. Deutschland hatte Mitte Oktober gemeinsam mit Frankreich, Spanien und Finnland die Zahlungen vorerst eingestellt.

Galileo soll ab 2008 das Satellitennavigationssystem GPS ergänzen und gilt als das wichtigste Infrastrukturprojekt Europas. Die Gesamtkosten des Systems werden auf 3,4 Mrd. Euro geschätzt, die zum Teil von der EU, der Europäischen Raumfahrtagentur und der Industrie getragen werden. Deutschland ist mit rund 500 Millionen der größte Finanzierer des Projekts. „Als größter Zahler des Navigationssystemes müssen wir ausreichend berücksichtigt werden“, sagt Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe. Weil sich Deutschland bei der bisherigen Projektvergabe benachteiligt fühlt, beharrt die Regierung darauf, dass das Galileo-Kontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen bei München kommt. „Ohne das Kontrollzentrum in Deutschland“, heißt es im Stolpe-Ministerium, „geht nichts.“

Der Streit um Kontrollzentren, Zahlungen und Rückflüsse für die heimische Industrie bringt Galileo zum wiederholten Male in Schwierigkeiten. Das derzeitige Gezerre der Partnerländer geht um Macht und Einfluss in der Betreiberphase des Systems ab 2008. Weil die Regierungen aber nur noch jetzt die Möglichkeit haben, mit einer Zahlungsverweigerung Einfluss auf das Projekt zu nehmen, haben sie den Geldhahn vor zwei Wochen zugedreht.

Das wiederum bringt Galileo Industries, das mit dem Aufbau des Systems beauftragte Unternehmen, in Schwierigkeiten. Denn die bisherigen 150 Mill. Euro, die Galileo Industries von der ESA erhalten hat, sind längst aufgebraucht. „Ab November brauchen wir frisches Geld“, sagt Günter Stamerjohanns, Chef von Galileo Industries, dem Handelsblatt. Gleichwohl ist sich Stamerjohanns sicher, die benötigten Mittel rechtzeitig zu erhalten.

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