Satellitenteile auf gefährlichem Kurs
Erneut Schrottalarm auf der Raumstation ISS

Die Internationale Raumstation ISS wird erneut durch Weltraumschrott gefährdet. Die Trümmer eines russischen Satelliten treiben auf die Station zu. Von einer möglichen Kursänderung wäre auch die Raumfähre Discovery betroffen, die sich derzeit auf dem Weg zur ISS befindet.
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HB CAPE CANAVERAL. In die Freude über den gelungenen Start der Raumfähre „Discovery“ mischt sich Sorge: Kurz vor dem Andocken des Shuttles ist am Montag abermals ein Stück Weltraumschrott auf die Internationale Raumstation (ISS) zugetrieben. Die US-Weltraumbehörde Nasa prüft, ob die Station eventuell ihren Kurs ändern muss, um den Trümmerteilen eines russischen Satelliten auszuweichen. Die Fähre, die am morgigen Dienstag an der Station andocken soll, müsste ihren Kurs dann ebenfalls ändern.

Der Weltraumschrott fliegt voraussichtlich am frühen Dienstagmorgen in rund 800 Metern Entfernung an der Station vorbei. Erst in der vergangenen Woche musste die ISS wegen einer drohenden Kollision mit Trümmerteilen kurzzeitig evakuiert werden. Die dreiköpfige Besatzung brachte sich in einer angedockten russischen Sojus-Rettungskapsel in Sicherheit. Nach elf Minuten konnte die Crew in die ISS zurückkehren. Die Nasa hat die ISS wegen der Gefahr durch Weltraumschrott bislang achtmal auf Ausweichkurs geschickt.

An Bord der Fähre sind sieben Astronauten und neue Sonnensegel für die Energieversorgung der ISS. Die „Discovery“ war am Sonntagabend mit mehr als einem Monat Verspätung in den Weltraum aufgebrochen. Shuttle-Kommandant Lee Archambault und seine Besatzung haben die Aufgabe, einen letzten Satz von Sonnenflügeln für die Energieversorgung der Station anzubringen. Außerdem sollen Geräte für das Wasseraufbereitungssystem eingerichtet werden.

Mit besonderer Erwartung wurde der Start denn auch von den drei Astronauten der ISS verfolgt. Kommandant Mike Fincke reagierte erleichtert, als er die Nachricht erhielt, dass kein weiteres Leck festgestellt wurde.

Die jüngste Verzögerung hatte zur Folge, dass die Reise der „Discovery“ um einen Tag verkürzt werden muss und nun 13 Tage dauern soll. Grund ist der für den 26. März geplante Start einer russischen Sojus-Rakete, die eine neue Besatzung zur Station bringt - bis zu ihrer Ankunft muss die „Discovery“ die ISS wieder verlassen haben.

Wegen der kürzeren Dauer wurde auch die Zahl der Einsätze im freien All von vier auf drei verringert. Der erste wird nach derzeitiger Planung am Donnerstag stattfinden. Dabei sollen zwei weitere Sonnensegel die bereits sechs installierten Solaranlagen ergänzen und der ISS damit die volle Stromversorgung ermöglichen. Trotz des verkürzten Aufenthalts im All kann die Besatzung der „Discovery“ nach Angaben der Nasa 80 bis 90 Prozent der geplanten Arbeiten erledigen. Der abgesagte vierte Außeneinsatz soll später von der Besatzung der ISS nachgeholt werden.

Ein besonderes Himmelsschauspiel werden Raumstation und Shuttle am Dienstag in den Abendstunden bieten. Kurz vor 20.10 Uhr werden sie für mehrere Minuten gemeinsam von Süd-West nach Süd-Ost dahinziehen. Die beiden werden „wie UFOs wirken, die sich ein Wettrennen am Firmament liefern“, sagte Hobbyastronom Werner Walter vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP). Im Sonnenuntergang würden die beiden Nasa-Raumschiffe das Sonnenlicht voll reflektieren und deswegen „als augenfällige Objekte der ungewöhnlichen Art“ zu sehen sein.

Am besten sind die Raumschiffe laut Internetdienst spaceweather.com im Süden Deutschland zu sehen. In Kassel fliegen sie nur noch halb hoch am Himmel, und an der Küste sind sie nur noch sehr flach über dem Südhorizont zu erspähen. Je nach Standort beginnt das Spektakel zwischen 20.08 Uhr und 20.10 Uhr.

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