Schädel gefunden
Forscher lösen Geheimnis um Heinrich IV.

400 Jahre nach seiner Ermordung haben britische Forscher die verschollenen sterblichen Überreste des französischen Königs Heinrich IV. identifiziert. Eine wissenschaftliche Fleißarbeit löst ein von Legenden umgebenes Geheimnis.
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PARIS. Wo steckt der Schädel des Königs, dessen Todestag vor 400 Jahren Frankreich gerade mit Ausstellungen würdigt? Das fragten sich vor kurzem noch viele. "Sein Kopf befindet sich noch irgendwo", sagte der Historiker Jean-Pierre Babelon unbestimmt erst vor wenigen Monaten auf einem Kolloquium des bedeutenden Institut de France. Der 78-Jährige gilt als ausgewiesener Heinrich IV.-Experte.

Dank der Hilfe britischer Wissenschafter ist das Geheimnis um den royalen Schädel nun gelüftet: Der Kopf liegt in einem Massengrab mit Gebeinen anderer Adliger in der Kathedrale von Saint-Denis.

Seit 1947 fehlte von dem Kopf des am 14. Mai 1610 ermordeten volksnahen Königs (1553-1610) jede Spur. Das British Medical Journal berichtet nun in seiner Online-Ausgabe, ein Team aus Anthropologen, Pathologen, Genetikern und Gerichtsmedizinern habe den Totenschädel eindeutig in der Basilika von Saint-Denis identifiziert, wo zahlreiche Gräber während der französischen Revolution zerstört worden waren. Dem gotischen Gotteshaus kommt in der Geschichte der französischen Monarchie eine besondere Rolle zu, denn seine Gemäuer beherbergen die Gräber der Könige Frankreichs.

Nach der Identifizierung könnte Toten nun ein würdiges Begräbnis gegeben werden, sagte Philippe Charlier, der die Forschergruppe geleitet hatte.

Was als sicher gilt ist, dass Heinrichs Grab wie viele der Königsgräber während der Französischen Revolution (1789-1799) geplündert wurde. "Seine Leiche wurde aus dem Sarg geholt. Sie wurde brutal geohrfeigt. Man brach ihm einen Arm und ein Bein, riss ihm den Bart aus und warf ihn in ein Massengrab", sagte Babelon auf dem Kolloquium. Als am 18. Januar 1817 Ludwig XVIII. das Massengrab der Könige öffnen ließ, fand man zwar die Leiche des Bourbonenkönigs, jedoch ohne Kopf.

Seitdem gab es viele Hypothesen. Babelon gehört zu jenen, die vermuten, dass der Schädel zunächst über den Grafen Erbach, der ihn im Jahr 1793 von einem Totengräber erworben haben soll, nach Deutschland gelangte. Dann soll er in den Besitz der Pariser Montmartre-Malerin Emma Camille Nallet Poussin gewechselt haben.

Deren Erben sollen am 31. Oktober 1919 die königlichen Überreste für eine klägliche Summe an einen Fotografen im bretonischen Dinard verkauft haben, der in den 30er Jahren den Kopf als den des Königs ausstellte und für Schlagzeilen sorgte. Nach dem Tod des Sammlers 1947 schlugen dessen Schwestern das Relikt dem Louvre vor, der die Authentizität aber anzweifelte. "Seitdem fehlt jegliche Spur", sagte Babelon.

Heinrich IV. gilt als "guter König" und wird noch heute in Frankreich verehrt. Zu seinen wichtigsten politischen Leistungen zählt das Edikts von Nantes, das nach Jahren des Bürgerkrieges in Frankreich ein friedliches Zusammenleben von Katholiken und Protestanten ermöglichte.

Kommentare zu " Schädel gefunden: Forscher lösen Geheimnis um Heinrich IV."

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  • Für die Massengräber anderswo wird gar kein Aufwand betrieben. Da liegt ja nur der Pöbel drin...

    Und kann es überhaupt einen "guten" König geben? Machterhalt outgesourct?

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