Schlange jagt Schlangen

Ein Killer für die Killer

Die Blaue Bauchdrüsenotter jagt eine spezielle und sehr gefährliche Beute: andere Giftschlangen. Dafür verwendet sie ein unter Schlangen einzigartiges Gift, das Forscher medizinisch nutzen wollen.
Kobras und andere Giftschlangen stehen auf dem Speisezettel der Blauen Bauchdrüsenotter.
Speikobra

Kobras und andere Giftschlangen stehen auf dem Speisezettel der Blauen Bauchdrüsenotter.

HeidelbergSchlangenbisse, die innerhalb von Sekunden töten, gibt es nur in Hollywoodfilmen. Selbst bei den giftigsten Arten dauert es normalerweise mehrere Stunden, bis ihr Toxin letal wirkt – genug Zeit also, um ein Gegenmittel zu verabreichen, sofern dieses vorhanden und in Reichweite ist.

Das gilt wahrscheinlich auch für die Blaue Bauchdrüsenotter (Calliophis bivirgata) aus Südostasien, mit der bislang allerdings nur sehr wenige menschliche Todesfälle in Verbindung stehen. Dabei besitzt die Art nicht nur eine der größten Giftdrüsen unter den Schlangen, sondern ebenso ein unter ihresgleichen einzigartiges Toxin, das die bevorzugte Beute sehr schnell kampfunfähig macht und tötet.

Exotische Giftmischer im Tierreich
Komodowaran
1 von 10

Mundgeruch macht einsam, heißt es plakativ. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Menschen sich tunlichst vom Maul der indonesischen Komodowarane (Varanus komodoensis) fernhalten sollten. Die vor allem auf der Insel Komodo beheimateten Echsen sind veritable Jäger, die auch deutlich größere Beute wie Hirsche oder Büffel überwältigen können - und auch vor Angriffen auf den Menschen nicht zurückschrecken.

Lange dachten Wissenschaftler, dass ein tödlicher Bakteriencocktail aus dem Speichel die Waffe der Tiere wäre: Er sollte eine letale Blutvergiftung auslösen. Erst vor wenigen Jahren erkannte man dann jedoch, dass die Warane ebenfalls mit Gift arbeiten: Eine Analyse ihres Toxindrüseninhalts ergab eine Mixtur aus Proteinen, die sowohl die Blutgerinnung hemmt als auch Muskelstarre und Bewusstlosigkeit hervorruft.

Sporngans
2 von 10

Erfahrene Jäger in Westafrika wissen: Hände weg von der Sporngans (Plectropterus gambensis). Denn dieses Geflügel ist hier oft völlig ungenießbar – und eine Mahlzeit kann im Extremfall tödlich enden. Zur Hauptmahlzeit dieser in weiten Teilen Afrikas beheimateten Glanzentenart gehören bestimmte Ölkäfer, die wiederum ein hochpotentes Gift namens Cantharidin produzieren.

Und das macht die Gans ganz schön giftig. Trotzdem wurde es früher in sehr geringen Dosen als Aphrodisiakum verwendet, da es die Genitalien anschwellen lässt. Doch bereits zehn Milligramm reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Dick Daniels)

Schlitzrüssler
3 von 10

Verglichen mit den Reptilien oder Amphibien verfügen nur sehr wenige Säugetierarten über Gifte, die sie zur Verteidigung oder Jagd einsetzen können. Neben verschiedenen Spitzmäusen und dem Plumplori (Nycticebus kayan) – einer Primatenart – trifft dies beispielsweise auf die Schlitzrüssler zu. Diese urigen Insektenfresser leben ausschließlich in der Karibik und produzieren in einer Speicheldrüse im Unterkiefer ein potentes Nervengift.

Dieses Gift leiten sie über eine Furche in einem der unteren Schneidezähne in das gebissene Opfer und überwältigen so auch eine relativ große Beute. Ihr Toxin nützt ihnen aber leider nichts gegen Lebensraumzerstörung und eingeschleppte Arten. Die beiden überlebenden Schlitzrüsslerspezies auf Kuba und Hispaniola sind daher stark gefährdet, und erst vor wenigen Jahren entdeckten Mitarbeitern des britischen Durrell Wildlife Conservation Trust wieder einige Exemplare in Haiti. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Seb az86556)

Pfeilgiftfrosch
4 von 10

Wer im Regenwald mit besonders intensiven Farben aufwartet, deutet oft an: "Friss mich nicht, mein Gift ist tödlich!" Das gilt für den Pfeilgiftfrosch, der zu den giftigsten Tieren der Welt zählt. Sein Batrachotoxin ist so potent, dass ein typischer Frosch 10 bis 20 Menschen töten könnte. Es verhindert die Reizleitung in den Nerven und sorgt dafür, dass Muskeln sich dauerhaft zusammenziehen: Der Tod kommt dann durch einen Herzinfarkt.

Die indigene Bevölkerung des Choco-Regenwalds in Kolumbien nutzte sein Hautsekret daher lange für die Jagd mit Pfeil und Bogen, weil getroffene Beutetiere rasch verenden. Ihr Gift beziehen die Lurche aus ihrer eigenen Nahrung, toxischen Käfern und Milben, die sie gefahrlos verspeisen können. Fehlt dieses Futter wie etwa in der Terrarienhaltung, verlieren die Frösche bald ihre Gefährlichkeit.

Hundertfüßer
5 von 10

Wachsender Beliebtheit bei Terrarienfreunden erfreuen sich tropische Hundertfüßer: Bis zu 25 Zentimeter lang können diese Gliederfüßer werden, deren Anzahl an Beinpaaren stark variieren kann. Ganz unproblematisch ist ihre Haltung allerdings nicht, denn die auch Skolopender genannten Tiere sind flink, wendig, aggressiv und können schmerzhaft zubeißen.

Aus ihrem zu Giftklauen umgebauten ersten Beinpaar geben sie dann einen reizenden Cocktail ab, der Azetylcholin, Serotonin sowie Histamin beinhalten kann. Manche Arten produzieren sogar Blausäure. Das Gift ist für einen gesunden Erwachsenen normalerweise nicht tödlich, aber der Schmerz strahlt über den ganzen Körper aus, und es kann zu zeitweiligen Lähmungserscheinungen kommen. (Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Franz Winter)

Kugelfisch
6 von 10

Manche Delikatessen zu verspeisen, kann mit dem Tod enden – beispielsweise der Genuss von Fugu, einer japanischen Spezialität, die aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen zubereitet wird. Nur speziell ausgebildete Köche dürfen sich an die Zubereitung wagen, denn neben dem ungiftigen Muskelfleisch befinden sich die giftige Haut, die Leber und die Eierstöcke des Meeresfischs.

All diese Körperteile enthalten das nach dem lateinischen Familiennamen des Tiers benannte Tetrodotoxin, das zu den potentesten natürlichen Giften der Erde gehört. Schon zehn Mikrogramm wirken letal und lähmen alle Körpernerven, aber nicht das Hirn: Man erstickt bei vollem Bewusstsein, wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Wahrscheinlich erzeugen die Fische ihr Gift nicht selbst, sondern nehmen es über Bakterien auf. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Chris 73)

Zweifarbenpitohui
7 von 10

Vögel sind nicht unbedingt als Gifttiere bekannt. Neben der oben erwähnten Sporngans kennt die Wissenschaft bislang nur noch sechs weitere giftige Arten – die vor allem in Neuguinea vorkommen wie dieser Zweifarbenpitohui (Pitohui dichrous) aus der Familie der Pirole.

Nur durch Zufall entdeckten Biologen, dass im Gefieder und der Haut der Vögel das von den Pfeilgiftfröschen bekannte Batrachotoxin vorhanden ist: Beim Fangen hatten die Tiere einen Forscher gekratzt, worauf dieser Körperbereich zeitweilig taub wurde. Die einheimischen Papua verschonen daher meist die Pitohui, wenn sie jagen – weil sie kaum genießbar sind. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 2.0/markaharper1)

„Die Blaue Bauchdrüsenotter ist der Killer der Killer“, so Bryan Fry von der University of Queensland, der mit seinem Team das Gift der Tiere untersucht hat: Die Ottern jagen andere Giftschlangen wie Kobras und müssen deshalb ständig lebensgefährliche Gegenattacken ihrer Opfer fürchten.

Um diesen zu entgehen, bauen sie nicht nur auf eine große Giftproduktion – ihre Drüsen nehmen ein Viertel der gesamten Körperlänge ein. Sie injizieren ihrer Beute auch ein Toxin, das aggressiv das Nervensystem beeinflusst: Es sorgt dafür, dass sich die Natriumkanäle der Nervenzellen nicht mehr schließen können.

Alle Neurone werden so gleichzeitig aktiviert und feuern ununterbrochen. Dadurch verkrampft der Körper der Angegriffenen völlig, und die Beute wird bewegungsunfähig, selbst wenn sie noch nicht tot ist.

„Mit einem ähnlichen Gift erledigen Kegelschnecken Fische, die sie erbeuten wollen“, erklärt Fry. „Diese werden gelähmt und können nicht mehr fliehen, so dass die relativ unbewegliche Schnecke sie an Ort und Stelle fressen kann. Wir zeigen erstmals, dass eine Schlange auf die gleiche Weise tötet.“

Da bekanntlich die Dosis das Gift macht, könnte diese Arbeit bald möglicherweise medizinischen Nutzen haben, erklärt der Forscher. Das Gift beeinflusst spezifische Natriumkanäle im Körper. Deshalb ließe sich daraus eventuell ein neuer Behandlungsansatz für Menschen mit chronischen Schmerzen entwickeln, hofft Fry.

Startseite

Mehr zu: Schlange jagt Schlangen - Ein Killer für die Killer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%