Schnell schlau
Was macht diese Schnecke so gefährlich?

Effektiver Jäger - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Die meisten Schnecken gelten als eher harmlose Zeitgenossen, vor denen sich allenfalls saftige Salatblätter in Acht nehmen müssen. Anders die Kegelschnecken: Die mehr als 500 Arten dieser Gattung von Meeresschnecken sind ausnahmslos Fleischfresser, die ihrer Beute – Würmer, Weichtiere, kleine Fische – mit starken Giften nachsetzen. Viele Kegelschnecken setzen dabei auf Nervengift, das ihre Opfer sofort tötet und auch für Menschen sehr gefährlich sein kann.

Eine ganz eigene Jagdtechnik hat dagegen die Tulpenkegelschnecke (Conus tulipa) entwickelt. Sie fängt Fische, indem sie ihren Mund sackartig ausweitet und über ihr Opfer stülpt – eine Technik, die auch von anderen Kegelschnecken-Arten bekannt ist. Doch die Tulpenkegelschnecke verlässt sich nicht allein auf ihre Geschicklichkeit beim Fangen, wie Forscher der Universität von Utah jetzt herausfanden. Sie entdeckten, dass die Schnecke ihre Opfer zuvor gezielt schwächt – mit Insulin.

Tatsächlich produzieren die Tulpenkegelschnecke und ihre Verwandte, die Landkartenkegelschnecke (Conus geographus), in ihren Giftdrüsen eine Insulin-Variante, die noch bei keinem anderen Tier nachgewiesen wurde. „Es ist deutlich kürzer als jede andere bislang beschriebene Insulin-Form“, so Baldomero M. Olivera, einer der an dem Projekt beteiligten Forscher.

Eine speziell auf das Opfer zugeschnittene Waffe von hoher Wirksamkeit: Nähert sich ein Fisch, gibt die Schnecke das Hormon ins Wasser ab, wo es vom Beutetier über die Kiemen aufgenommen wird und rasch in den Blutkreislauf gelangt. Die so erzeugte Insulinüberdosis führt beim Fisch zu einer Unterzuckerung mit den typischen Folgen wie Desorientierung und Bewusstseinstrübung, das Tier wird zur leichten Beute der Jägerin.

Die kann es sich sogar leisten, ihren Mundsack vergleichsweise langsam über ihr Opfer zu stülpen. Die durch den Insulinschock geschwächten Beutetiere haben keine Chance, selbst einer in Zeitlupe ausgefahrenen Falle zu entkommen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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