Schneller schlau Erfolgreiche Flucht aus dem Krötenbauch

Wer von einem Fressfeind verschlungen wurde, muss nicht unbedingt verloren sein. Ein wehrhafter Käfer weiß sich sogar aus dem Magen einer Kröte zu retten.
Kommentieren
Für Kröten kann der Verzehr des Bombardierkäfers ziemlich unbekömmlich sein. Quelle: dpa
Käfer und Kröte

Für Kröten kann der Verzehr des Bombardierkäfers ziemlich unbekömmlich sein.

(Foto: dpa)

Wer für andere Tiere einen nahrhaften Happen darstellt, tut gut daran, sich wirksame Verteidigungsstrategien zu überlegen. Schnelligkeit, gute Tarnung, ein sicheres Versteck oder Gift sind einige der Strategien, mit denen verschiedene Spezies versuchen, allzu hungrigen Mäulern zu entgehen.

Auch Bombardierkäfer der Art Pheropsophus jessoensis verfügen über eine gute Abwehrwaffe. Der in Japan, Korea und China beheimatete Käfer spritzt bei Gefahr einen bis zu 100 Grad heißen Giftcocktail aus seinem Hinterleib auf Angreifer. Das stark ätzende Abwehrsekret ist zwar nicht unbedingt tödlich, aber doch wirksam genug, um den Käfer vor den meisten Fressattacken zu schützen.

Für manche Kröten stellt der großgewachsene Bombardierkäfer trotzdem eine verlockende Beute dar. Gelingt es ihnen, eines der begehrten Krabbeltiere zu schlucken, ist der Kampf aber längst noch nicht gewonnen, wie die Forscher Shinji Sugiura und Takuya Sato von der Universität im japanischen Kobe im Fachjournal Biology Letters berichten.

Die Wissenschaftler hatten beobachtet, wie sich Kröten kurz nach dem Verzehr eines Bombardierkäfers erbrachen – und dabei das noch lebende Beutetier wieder frei gaben. Neugierig geworden, untersuchten die Forscher gezielt, was bei der Krötenjagd auf Käfer geschieht.

Das Ergebnis war verblüffend: Kurz nachdem eine Kröte ihre Beute verzehrt hatte, konnten die Forscher eine Art Explosionsgeräusch aus ihrem Körper vernehmen – exakt das Geräusch, das entsteht, wenn der Käfer seine Chemiewaffe abfeuert. Mehr als ein Drittel der untersuchten Kröten erbrach sich daraufhin – und setzte so einen zwar verschleimten, aber höchst lebendigen Käfer frei.

Offenbar wirkt der Giftcocktail des Käfers auch im Bauch der Kröte als wirksame Abwehrwaffe – besonders dann, wenn es sich um sehr große Käfer und eher kleinere Kröten handelt. Interessant ist dabei der lange Zeitraum, den manche Käfer im Bauch der Kröte verbrachten. Mitunter dauerte es mehr als 100 Minuten, bis die Kröte sich erbrach.

In dieser langen Zeit waren die Käfer den aggressiven Verdauungssäften im Magen ausgesetzt, ohne Schaden zu nehmen. Möglicherweise, so die Forscher, sorgt das Käfergift nicht nur dafür, dass der Krötenmagen rebelliert, sondern es schwächt auch die Magensäfte der Amphibie ab.

„Diese Art von Käfer ist in Japan schon seit 100 Jahren bekannt“, so Shinji Sugiura. „Man wusste jedoch bislang nicht, gegen welchen Feind die chemische Selbstverteidigung wirksam ist.“ Immerhin hat sich der Bombardierkäfer mit seiner chemischen Hochdruckwaffe in Japan einen gewissen Ruf erworben – der Volksmund nennt ihn dort den „furzenden Käfer“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Schneller schlau - Erfolgreiche Flucht aus dem Krötenbauch

0 Kommentare zu "Schneller schlau: Erfolgreiche Flucht aus dem Krötenbauch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%