Schneller schlau

Gut geschützt durch schlechte Tarnung

Wer im Tierreich nicht über Zähne, Klauen oder Panzer verfügt, sollte sich zumindest gut tarnen – sonst landet er rasch im Magen eines wehrhafteren Lebewesens. Doch manchmal reicht auch eine eher schlampige Verkleidung.
Die harmlosen Insekten ähneln wehrhaften Arten wie Wespen oder Bienen und schrecken so Fressfeinde ab.
Schwebfliege auf einer Margeritenblüte

Die harmlosen Insekten ähneln wehrhaften Arten wie Wespen oder Bienen und schrecken so Fressfeinde ab.

Auf einer Liste wehrhafter Tiere sucht man die Schwebfliegen vergeblich. Die harmlosen Insekten brauchen ihre Nahrung nicht zu jagen, denn auf ihrem Speiseplan finden sich nur Blütennektar und Pollen. Das macht sie zusammen mit den Bienen zu den wichtigsten Bestäubern unserer Blütenpflanzen.

Einem hungrigen Vogelmaul haben die kleinen Flugkünstler allerdings nichts entgegenzusetzen. Bleibt also nur, sich vor den Augen möglicher Fressfeinde gut zu verbergen – und genau das tun die Schwebfliegen durch sogenannte Mimikry.

Diesen Begriff verwenden Biologen für Tiere, die sich dem Aussehen anderer, wehrhafterer Arten angeglichen haben, um Feinde abzuschrecken. Im Fall der Schwebfliegen dienen stachelbewehrte Insekten wie Wespen und Bienen als Vorbilder. Vor allem die typische Gelbfärbung der Wespen hat sich im Lauf der Evolution als wirkungsvoll erwiesen, und so finden sich unter den rund 6000 Schwebfliegen-Arten etliche mit gelbgefärbtem Hinterleib.

Doch längst nicht alle Nachahmer unterziehen sich der Mühe, eine möglichst exakte Wespen-Kopie abzugeben. Bei manchen Arten fällt die Tarnzeichnung gemessen am Original sogar ziemlich schlampig aus. Trotzdem sind auch diese Tiere recht gut vor Beutegreifern geschützt. Warum das so ist, haben kanadische Forscher vor einigen Jahren herausgefunden.

Diese Tiere nerven am meisten
Wespen
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Wegen des warmen und trockenen Wetters sind besonders viele Wespen unterwegs. Experten zufolge nehmen sie noch bis zum Herbst Anflug auf Kuchen oder Eis. „Man kann durchaus sagen, dass wir überall in Deutschland sehr viele Wespen haben“, sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Nabu in Berlin.

Wespen
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Grund sei neben der Hitze auch das warme Frühjahr und der kurze Winter. Gemein: Sie können mehrmals zustechen. Tötet man sie, lockt das neue an.

Bienen
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Die Biene ist sozusagen die harmlosere Version der Wespe. Sie bevorzugt in der Regel heimische Kräuter und Blüten statt Kuchen und Eis, erklärt der Nabu-Fachmann. Ihre Stiche tun natürlich auch weh. Vor ihnen müssen die Deutschen momentan aber weniger Angst haben: „Über die Hälfte der heimischen Wildbienenarten ist gefährdet.“

Quallen
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Plagegeister lauern auch im Wasser: An der Eckernförder Bucht hat das Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung eine regelrechte Quallen-Invasion beobachtet. In den 80er und 90er Jahren seien in der Kieler Förde noch 50 Quallen pro hundert Kubikmeter Wasser gefangen worden, sagt eine Sprecherin.

Quallen
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Inzwischen seien es bis zu fünfmal so viele. „Da macht das Baden nicht mehr so viel Spaß.“ Während etwa Qhrenquallen nur „glibberig und eklig“ seien, kann Hautkontakt mit Feuerquallen (hier im Bild) ziemlich schmerzhaft sein.

Zecken
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Sie sind kaum größer als ein Stecknadelkopf – einige von ihnen übertragen aber Infektionskrankheiten wie Lyme-Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wer in Süddeutschland unterwegs ist, muss sich laut Robert Koch-Institut besonders in Acht nehmen. Als Risikogebiete gelten demnach vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Aber auch in Marburg oder Saarbrücken ist das Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden, vergleichsweise hoch.

Fledermäuse
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Im Sommer schlafen viele gern bei offenem Fenster – doch das birgt ein Risiko: Fledermäuse verlassen momentan die Aufzuchtorte ihrer Jungen und verirren sich dabei in so manche Wohnung. „Es ist immer ein Irrtum“, sagt Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin. „Durch ihre hohen Rufe im Ultraschallbereich holen sie manchmal auch andere nach.“ Zum Teil sei schon ein Dutzend Fledermäuse in einer Wohnung untergekommen.

Die Wissenschaftler untersuchten Dutzende Schwebfliegenarten auf Farbe und Musterung. Dabei zeigte sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Qualität der Tarnung und der Körpergröße der Tiere: Je kleiner die Art, desto weniger glich der Tarnmantel dem tatsächlichen Aussehen des stachelbewehrten Vorbilds.

Kleinere Arten, so die Erklärung der Forscher, können sich diese Nachlässigkeit leisten, weil sie kein allzu lohnendes Ziel für Fressfeinde darstellen. Auf eine derart kleine Beute riskiert ein Vogel allenfalls einen flüchtigen Blick. Wer dagegen einen fetten Happen abgibt, muss seine Tarnung perfektionieren, denn der Feind wird sich sehr genau anschauen, ob sich ein Angriff nicht vielleicht doch lohnen könnte.

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