Schneller schlau Urzeit-Frosch fraß Dinosaurier

Beelzebufo hielt sich nicht lange mit Quaken auf. Der riesige Urzeit-Frosch lag ständig auf der Lauer nach einer guten Mahlzeit – und die konnte durchaus auch mal aus einem Dinosaurier bestehen.
Die Frösche mit den kräftigen Kiefern gelten als Nachfahren des urzeitlichen Riesenfroschs Beelzebufo. (Foto: Kristopher Lappin)
Hornfrosch

Die Frösche mit den kräftigen Kiefern gelten als Nachfahren des urzeitlichen Riesenfroschs Beelzebufo. (Foto: Kristopher Lappin)

Wer glaubt, Frösche könnten höchstens einer Fliege gefährlich werden, kennt den Hornfrosch nicht. Diese südamerikanischen Frösche sind berüchtigt für scharfe Zähne und kräftige Kiefer, mit denen sie nicht nur Insekten verspeisen. Was der kaum 15 Zentimeter große Hornfrosch einmal ins Maul bekommt, lässt er kaum wieder los – selbst wenn er an einem übergroßen Beutetier zu ersticken droht, was durchaus schon vorgekommen ist.

„Die meisten Frösche haben schwache Kiefer und jagen deshalb nur kleine Beutetiere“, erläutert Marc Jones von der University of Adelaide. „Hornfrösche dagegen lauern auf Beute, die so groß ist wie sie selber – darunter auch andere Frösche, Schlangen oder Nagetiere.“

Ein Frosch für Prinz Charles
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Hyloscirtus princecharlesi

Dieser kleine Frosch ist ein echter Prinz, oder zumindest heißt er wie einer. Hyloscirtus princecharlesi wurde nach dem britischen Thronfolger Prinz Charles benannt. Gut zu erkennen ist der Frosch an seiner markanten Färbung: Orange Tupfen auf schwarzem Untergrund.

Der ungewöhnliche Name soll auf die Naturschutzprobleme im Heimatland des Tieres aufmerksam zu machen. Der knapp sieben Zentimeter große Frosch ist in den Regenwäldern Ecuadors zu Hause. Dort hält er sich in Büschen und Sträuchern rund um Wasserläufe auf. Prinz Charles setzt sich seit Jahren für die Erhaltung und den Schutz des Lebensraums bedrohter Amphibien im Regenwald ein und ist damit der ideale Namenspate.

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Anophthalmus hitleri

Als dieser blinde Höhlenkäfer 1937 erstmals beschrieben wurde, nannte ihn der Entdecker nach seinem großen Idol: Adolf Hitler. Anophthalmus hitleri ist ein räuberisch lebender Höhlenbewohner, seine Heimat ist Slowenien. Die Art ist bei Sammlern aus bestimmten Kreisen sehr beliebt: Nicht nur Museumsexemplare werden entwendet, A. hitleri wird auch aus seiner natürlichen Umgebung gefangen, auch wenn das verboten ist.

Von der Wissenschaft dagegen wird der Laufkäfer weitestgehend ignoriert. Viele Museen weigern sich sogar, das 5 Millimeter große Tier auszustellen. So kommt es, dass die Art A. hitleri inzwischen vor der Ausrottung steht, weil sich niemand für seine Rechte stark machen will. Eine Umbenennung wurde zwar häufig gefordert, doch nie durchgesetzt. Denn bei der Benennung neuer Arten gilt das Recht des Erstbeschreibers.

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Wunderpus photogenicus     

Die englischsprachigen Entdeckern des gestreiften Oktopusses ließen sich von der deutschen Sprache inspirieren: Der "Wunderpus" ist ein "wunderbarer Oktopus". Oder, wenn man es noch wörtlicher nehmen will, ein "Wunderfuß", denn "pus" leitet sich vom griechischen Wort für Fuß ab. Als ob das nicht genug wäre, hängten die Entdecker dem hübschen Tier noch noch den Begriff "photogenicus" an.

Wunderpus photogenicus lebt vor allem in den Gewässern zwischen den malaysischen und indonesischen Inseln. Dort jagt er meist bei Morgen- oder Abenddämmerung und überrascht kleine Krustentiere und Fische im Sand. Manchmal steckt er auch seine langen Arme in kleine Höhlen und sucht dort nach Beute. Die auffällige Zeichnung von Wunderpus photogenicus ist besonders gut sichtbar, wenn er gestört wird oder Angst hat. Sie dient dann als abschreckende Signalfarbe.

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Zyzzyxdonta 

Diese beiden Schneckengattungen mogeln sich an Anfang und Ende jeder alphabetischen Aufzählung: Aaadonta und Zyzzyxdonta. Ihr Entdecker Alan Solem schrieb, die beiden Schneckenhäuser hätten so unterschiedliche Formen, dass es nur logisch sei, wenn ihre Namen ebenso weit auseinander lägen.

Aaadonta und Zyzzyxdonta sind beide Landlungenschnecken, die auf kleinen Inseln im pazifischen Ozean leben. Sie können dort unter Steinen, auf Pflanzen oder Bäumen gefunden werden. Allerdings sind viele Arten beider Gattungen vom Aussterben bedroht und werden auf der roten Liste der bedrohten Tierarten geführt.

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Scaptia beyonceae     

Ihre Namenspatin hat ein Faible für glitzernde Bühnenoutfits und einen berühmten Hintern – kein Wunder, dass die Fliege mit dem goldenen Hinterteil nach Sängerin Beyonce Knowles benannt wurde. Das Insekt ist nur neun Millimenter groß und gehört zu dem Bremsen. Sie ist in Australien beheimatet und es wurden erst drei Exemplare ihrer Art gefunden, alle weiblich. Noch dazu wurde das erste Tierchen 1981 in Beyoncés Geburtsjahr gefunden.

Diese Gemeinsamkeiten reichten dem Wissenschaftler Bryan Lessard von der australischen Insektensammlung in Canberra aus, um die Fliege 2011 nach seinem Lieblingspopstar zu benennen. Lessard ist es wichtig, den eher schlechten Ruf der Pferdebremse zu bessern und betont, dass nicht alle Bremsen fiese Blutsauger sind. Die Art, die er Popstar Beyoncé widmete, ernähre sich von Nektar und helfe so beim Bestäuben von Blüten, ähnlich wie Hummeln.

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Basfia succiniciproducens     

Basfia sollte eigentlich eher BASFia geschrieben werden. Das Bernsteinsäure produzierende (succinic = Bernsteinsäure) Bakterium wurde tatsächlich nach dem großen deutschen Chemiekonzern benannt. Basfia succiniciproducens ist ein stäbchenförmiges, unbewegliches Bakterium. Es lebt anaerob, kommt also ohne Sauerstoff aus und zersetzt normalerweise den Nahrungsbrei in Kuhmägen. Im Ludwigshafener Labor von BASF isolierte man Basfia succiniciproducens erstmals 2008 aus einem Rindermagen.

Die Forscher hatten gezielt nach einem Bakterium gesucht, das durch Gärung Bernsteinsäure herstellen kann, denn diese ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die chemische und pharmazeutische Industrie. B. succiniciproducens wurde also zu Ehren des Unternehmens "das von der BASF isolierte, bernsteinproduzierende Bakterium" genannt. Inzwischen hat sich der Chemiekonzern sein Bakterium patentieren lassen und stellt damit in industriellen Mengen Bernsteinsäure her.

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Denhama aussa

"Den haben wir raus!" oder "denhama aussa", wie man in Wien sagen würde, soll der österreichische Zoologe Franz Werner gerufen haben, als er die Stabschrecke 1912 endlich bestimmt hatte. Die Geschichte erzählt weiter, dass Werner das Insekt nach seinem freudigen Ausruf benannte. Da das Tier in Denham, Australien gefunden wurde, könnte allerdings auch eine Ortsangabe hinter dem Namen stecken.

Stab- oder Gespenstschrecken sind pflanzenfressende Insekten, die durch ihre seltsamen Körperformen an Äste oder Blätter erinnern. Die weibliche Form von Denhama aussa ist bis zu sechs Zentimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner. Man findet sie sowohl im Westen als auch im Süden Australiens.

Jones gehört zu den Biologen, die von den Hornfröschen fasziniert sind – und das nicht nur wegen des ungewöhnlichen Jagdverhaltens. Die Froschlurche liefern auch Anschauungsmaterial für einen Urzeit-Frosch, der vor 68 Millionen Jahren auf Madagaskar lebte. Beelzebufo, so der Name dieses bis zu einem halben Meter großen Riesenfroschs, verfügte über einen ähnlichen kräftigen Kauapparat wie seine heute lebenden Nachfahren.

Wie kräftig er damit zubeißen konnte, wollten Jones und seine Kollegen eines internationalen Forschungsteams ganz genau wissen. Als Testobjekte dienten dabei lebende Hornfrösche: Die Forscher ließen die Tiere in eine Zange beißen, mit der sich die Bisskraft messen lässt.

Ergebnis: Ein Hornfrosch mit einer Kopfbreite von 4,5 Zentimeter bringt es auf die erstaunliche Bisskraft von 30 Newton, was 3 Kilogramm Gewicht auf dem Kiefer entspricht. Größere Exemplare stehen den kräftigen Kiefern gleich großer Krokodile nicht nach, denn die Bisskraft steigt proportional mit der Körpergröße der Frösche.

Mit diesen Basiswerten berechneten Jones und Kollegen nun die Kraft, mit der die urzeitliche „Teufelskröte“ Beelzebufo zubiss – und kamen auf den beeindruckenden Wert von 2200 Newton. Das entspricht der Bisskraft von Wölfen oder Tigern. „Mit dieser Kraft war Beelzebufo in der Lage, auf kleine oder junge Dinosaurier Jagd zu machen“, so Jones.

In seinem Lebensraum zählte Beelzebufo damit zu den gefährlichsten Raubtieren – eine seltene Ehre für einen Frosch. Oder mit den Worten von Jones’ Forscherkollegen Kristopher Lappin: „Der Biss von Beelzebufo ist definitiv nichts, was ich aus erster Hand erleben möchte.“

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