Schneller schlau
Warum bekommen wir vom Eis essen Kopfschmerzen?

Gestörter Genuss - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.

Wohl jeder, der gerne Eiscreme nascht, kennt das Gefühl: Kaum haben wir die erste Portion der kalten Köstlichkeit im Mund, fährt ein kurzer, aber heftiger Schmerz durch den Kopf. Als „Brain Freeze“ bezeichnen Wissenschaftler diese Erscheinung – und wie bei Alltagsphänomenen keineswegs ungewöhnlich, haben sie sich lange schwer getan mit einer schlüssigen Erklärung.

Medizinern der Harvard Medical School in Boston gelang es schließlich, den Schlüssel zur Lösung des Rätsels zu finden. Die Forscher ließen Testpersonen abwechselnd Eiswasser und normal temperierte Flüssigkeit trinken und überwachten dabei die Durchblutung des Gehirns. Dabei zeigte sich, dass unser Denkorgan einen wahren Blutrausch erlebt, sobald Kaltes den Gaumen berührt: Die Gefäße erweitern sich, so dass verstärkt Blut ins Gehirn strömt.

Der warme Lebenssaft soll verhindern, dass unsere überlebenswichtige Denkzentrale allzu stark abkühlt. Doch unser Schädel lässt sich nicht einfach aufblähen, und so führt das zusätzliche Blut kurzzeitig zu einem Druckanstieg im Kopf, den wir als schmerzhaft empfinden. Gefährlich ist das nicht, denn ehe es zu Schäden kommen kann, verengen sich die Gefäße wieder, der Druck sinkt und die Schmerzen klingen ab.

Schön, dass wir das jetzt auch wissen, könnte man meinen – aber was haben wir davon? Nun, die Erkenntnisse der US-Mediziner reichen über das Alltagsphänomen des Eiscreme-Kopfschmerzes hinaus. Die Forscher vermuten, dass auch andere Kopfschmerzen durch entsprechende Veränderungen des Gehirns verursacht werden. Dafür spricht etwa die von den Wissenschaftlern gemachte Beobachtung, dass Migräne-Patienten für Kältekopfschmerzen deutlich anfälliger sind.

Übrigens: Europameister in Sachen Eiscreme-Verzehr sind nicht etwa die von der Sonne verwöhnten Südländer. 2011 schleckten sich die Finnen mit einem Jahresverbrauch von 12 Liter pro Kopf an die Spitze der Rangliste, gefolgt von Norwegen und Schweden. Erst auf Platz 4 landete das Mutterland des „Gelato“, Italien – vor Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 6 Litern.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
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