Schneller schlau
Warum hat am Amazonas niemand Heuschnupfen?

Paradies für Pollengeschädigte - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Mit etwa sieben Millionen Quadratkilometern bedeckt der tropische Regenwald des Amazonasbeckens rund ein Fünftel der Landfläche unserer Erde. Ein riesiges Waldgebiet, das seinem Beinamen „grüne Hölle“ alle Ehre macht: Nirgendwo sonst findet man auf engstem Raum eine solche Fülle verschiedenartiger Pflanzen. Ein Albtraum für Pollenallergiker, sollte man eigentlich meinen.

Tatsächlich aber sind tropfende Nasen im Einzugsgebiet des wasserreichsten Flusses der Erde eher selten. Denn anders als bei uns verzichten die Pflanzen im Regenwald üblicherweise darauf, ihren Pollen in die Luft und damit auch in empfindliche Nasen zu streuen.

Eine solche Art der Fortpflanzung würde unter dem dichten Laubdach des Regenwaldes versagen, weil dort der für die Verteilung des Blütenstaubs unerlässliche Wind kaum weht. Und selbst einer der gelegentlichen Luftzüge würde bei der hohen Luftfeuchtigkeit im Regenwald kaum zur weiträumigen Streuung der Pollen führen.

Für die Fortpflanzung hat sich das findige Amazonas-Grünzeug daher eine andere Strategie zurechtgelegt: Es setzt verstärkt auf tierische Helfer. Insekten, aber auch kleine Vögel wie der Kolibri nehmen bei ihrer Suche nach nahrhaftem Pflanzennektar Blütenstaub auf und tragen ihn weiter. Das ist auch der Grund, warum die grüne Hölle von bunten Farbklecksen durchzogen ist: Je greller und auffälliger die Blüten einer Pflanze daherkommen, desto größer ist die Chance, dass sich einer der begehrten Bestäuber auf ihr niederlässt.

Gut für Superlative ist übrigens nicht nur das riesige Regenwaldgebiet Amazoniens. Auch der namengebende Fluss sprengt buchstäblich alle Dimensionen: Als wasserreichster Strom der Erde führt er mehr Wasser als die sieben in dieser Rangliste folgenden Flüsse zusammen.

Welche Kraft das Wasser des Amazonas entfalten kann, zeigt sich vor allem beim Auftreten der sogenannten Pororoca, einer Springflut, die bei Voll- oder Neumond auftreten kann. Dann wälzen sich riesige Wassermassen von der Flussmündung her bis zu 800 Kilometer weit ins Landesinnere und reißen dabei alles mit sich, was ihnen in den Weg kommt.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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