Schneller schlau
Warum liegen alle Weltraumbahnhöfe nahe dem Äquator?

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Der europäische Weltraumbahnhof Guayana bei Kourou in Französisch-Guyana ist nur 500 Kilometer vom Äquator entfernt. Auch die US-Weltraumbasis Kenndy Space Center liegt nicht zufällig im Sonnenstaat Florida im Süden der USA möglichst nah am Äquator.

Die Russen betreiben ihren Weltraumbahnhof trotz des Riesenreichs nicht im eigenen Land, sondern in Baikonur im südlicheren Kasachstan.

Die Äquatornähe ist natürlich nicht zufällig. Sie hat etwas mit der Erdrotation zu tun: Unser Heimatplanet dreht sich an verschiedenen Orten unterschiedlich schnell: Während sich die Erde im Zentrum des Nordpols gar nicht dreht, ist die Rotation am Äquator mit etwa 1630 km/h maximal. Diese Rotation lässt sich für die Raumfahrt nutzen.

Den meisten Schwung der Erde nimmt eine Rakete mit, wenn sie Richtung Osten startet und damit eine Umlaufbahn (Orbit) exakt über dem Äquator einnimmt. Je mehr die Rakete von dieser Ideallinie in Richtung Süden oder Norden abweicht, desto weniger "Gratis-Energie" der Erde kann sie beim Start nutzen.

Dafür vergrößert sich die Umlaufbahn. Besonders teuer und energieaufwendig sind daher Polarmissionen, Satelliten die Nord- und Südpol überfliegen. Doch weil sich die Erde unter den Satelliten dreht, können Trabanten, die über die Pole fliegen, jeden Winkel der Erde beobachten.

Für Polarmissionen sind auch Starts von der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel besser geeignet. „Die Lage ändert sich allerdings, wenn Sie einen Orbit erreichen wollen, der eine Inklination hat. Dann müssen Sie vom Äquator aus schräg wegstarten und Sie müssen einen Teil der Geschwindigkeit Richtung Osten wieder abbauen“, so Felix Huber vom Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Direktor Raumflugbetrieb und Astronautentraining. „Die bestmögliche Ausnutzung der Erddrehung erhalten Sie daher immer dann, wenn die geographische Breite des Startplatzes gleich der Inklination des Zielorbits ist, weil Sie dann genau in Richtung Osten starten.“

Für polare Bahnen (90°) oder darüber hinaus (sonnensynchron, 98°) müsse man daher die Erdrehung vollständig abbauen. Daher sind in solchen Fällen nördliche Plätze besser geeignet. „Der Effekt ist allerdings nur gering, weil die beiden Geschwindigkeitsvektoren senkrecht aufeinander stehen“, so Huber. Daher wird für polare Starts ein anderer Faktor wichtig: Sie sollten möglichst nicht über gewohntem Gebiet starten. „Daher die nördlichen beziehungsweise Westküstenstartplätze“, so Huber.

Von den großen Weltraumbahnhöfen hat der europäische Weltraumbahnhof im südamerikanische Kourou die vorteilhafteste Lage. Denn während Baikonur nicht ansatzweise so nah an dem nullten Breitengrad liegt, hat das karibische Cape Canaveral mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen: die Wirbelsturmsaison macht Starts unmöglich. In Französisch Guyana hingegen ist es durchgehend windstill - es befindet sich in den Kalmen, die nördlich und südlich des Äquators für stabile Wetterbedingungen sorgen.

Kommentare zu " Schneller schlau: Warum liegen alle Weltraumbahnhöfe nahe dem Äquator?"

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  • Möglicherweise liegt der Äquator am nächsten zum Ausgang aus dem quälenden Uniservum der Handelsfragen.

    Wolfgang koch, Wienblog

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