Schneller schlau
Warum steht die Tigernatter auf giftige Kost?

Ungesunde Vorliebe - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Kröten der Art Bufo japonicus gehören nicht gerade zu den Leckerbissen im Tierreich. Ihr Gift macht sie für die meisten Tiere ausgesprochen unbekömmlich. Nur die in weiten Teilen Asiens heimische Tigernatter scheint eine Vorliebe für den ungesunden Happen zu haben. Tatsächlich zählen die Kröten zu den ausgesprochenen Lieblingsspeisen der Schlange.

Und das aus gutem Grund: Die Tigernatter gehört zwar zu den Giftschlangen, produziert aber selber keine Toxine. Stattdessen versorgt sie sich über ihre Leibspeise mit den nötigen Abwehrwaffen. Das mit den Kröten aufgenommene Gift sammelt sich in Drüsen im Nackenbereich der Schlange. Muss sie sich zur Wehr setzen, so reckt sie den Leib nach oben und verdreht den Kopf derart, dass die Drüsen auf den Angreifer zeigen. Ist der unvorsichtig genug, den Angriff fortzusetzen, trifft ihn ein lähmender Giftstrahl.

Lange war unklar, wie die Schlange an ihr Gift kommt. Erst Untersuchungen japanischer Forscher brachten den Durchbruch: Bei der Untersuchung von Tigernattern auf verschiedenen Inseln war den Wissenschaftlern war aufgefallen, dass die Schlangen nur in Gegenden mit Krötenbestand Giftdrüsen besaßen.

Daraufhin fingen die Forscher einige trächtige Tiere und setzen deren Nachwuchs auf unterschiedliche Kost: Ein Teil erhielt die übliche Krötenmahlzeit, der Rest wurde auf krötenfreie Diät gesetzt. Wie erwartet, entwickelten nur die Krötenfresser das lähmende Gift. Hatte allerdings die Schlangenmutter eine größere Giftmenge gespeichert, so besaßen auch die Jungtiere noch eine Zeit lang nach dem Schlüpfen Gift, selbst wenn sie keine Kröten vorgesetzt bekamen.

Menschen brauchen die Tigernatter übrigens kaum zu fürchten, denn die Schlangen sind nicht aggressiv und flüchten lieber. Kommt es doch einmal zu einem unliebsamen Kontakt, führt das Gift meist nur zu leichteren Symptomen wie Schwellungen oder Kopfschmerzen. In seltenen Fällen kann es allerdings zu einem tödlichen Schock kommen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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