Schneller schlau
Welches Gift ist für viele Lebewesen unersetzlich?

Für Kaiser unbekömmlich – Schneller schlau, die tägliche Portion Wissen.
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Wohl kaum ein anderes chemisches Element erfuhr häufiger literarische, filmische oder historische Wertschätzung und Erwähnung wie das Arsen: Erinnert sei hier nur an den Filmklassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“, wo zwei nette ältere Damen - aus reiner Menschenliebe versteht sich - ältere Herren mit einer Arsen-Blausäure-Kombination ins Jenseits befördern. Oder an Schillers „Kabale und Liebe“, wo der bemitleidenswerte Major Ferdinand von Walter erst seiner ebenso bemitleidenswerte Geliebte Luise Miller und dann sich selbst ein tödliche Dosis des Giftes verabreicht

Und natürlich verhalf Arsen - oder vielmehr seine giftigen Oxide oder Salze - so manchem König, Kaiser oder Papst zu Amt und Würden, indem es den Vorgänger aus dem Weg räumte: Das Gift war sozusagen einer der Klassiker in der Kriminalgeschichte der Menschheit. Sogar Napoleon soll daran gestorben sein - zumindest fanden Pathologen in seinen Haarspitzen hohe Mengen des Elements, sodass eine vorsätzliche Vergiftung durchaus im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Allerdings vermuten Wissenschaftler heute, dass das Arsen aus einer damals gängigen Medizin oder aus Ausdünstungen der Tapete in den Körper Napoleons gelangte.

Doch abseits dieser eher düsteren Geschichte des Elements spielt der Stoff im Leben vieler Tiere eine entscheidende Rolle als essenzielles Spurenelement. Hühner und Ratten etwa leiden bei arsenfreier Ernährung unter deutlichen Wachstumsschwierigkeiten. Zudem ließen sich negative Veränderungen des Herzmuskels beobachten. Vermutet wird dabei ein Zusammenhang mit der Umsetzung der Aminosäure Arginin im Stoffwechsel, die beispielsweise mit für die Gefäßweitung und damit zur Regulierung des Blutflusses benötigt wird. Arginin trägt außerdem zur Verbesserung der Pumpleistung des Herzens bei und ist für die Freisetzung von Wachstumshormonen mitverantwortlich.

Schließlich führt Arsen zur verstärkten Bildung von roten Blutkörperchen, die zu einer Verbesserung des Sauerstoff-Transports im Körper führen. Früher dopten viele Reiter deshalb ihre Pferde damit, um sie zu höherer Leistung zu treiben. Diese Praxis findet heute jedoch nicht mehr statt, da sich Arsen leicht im Urin nachweisen lässt.

Ob das Element auch für den Menschen lebensnotwendig ist, entzieht sich bislang noch der Forschung - anhand der Erfahrungen mit den Hühnern oder Ratten wäre aber ein entsprechender Bedarf durchaus nachvollziehbar. Vor mangelhafter Aufnahme über die Nahrung muss sich aber niemand sorgen, denn die notwendige Menge läge sicherlich in Größenordnungen von weniger als 0,01 Milligramm. Über das Essen - etwa Fische oder Meeresfrüchte - gelangt jedoch bis zu ein Milligramm täglich in den Körper.

Das jedoch bietet ebenso wenig Grund zur Sorge, denn das meiste Arsen verlässt den Körper gleich wieder unverändert binnen weniger Tage über die Nieren. Dennoch finden sich je nach Ernährungsweise, Trinkwasserherkunft oder Umweltsituation insgesamt durchschnittlich knapp sieben Milligramm im Menschen, wo es in fast jedem Organ, in den Knochen, in Blut und Haaren nachweisbar ist.

Die heutige „Schneller schlau“-Frage entnahmen wir dem Band Wie Schwarze Löcher Spaghetti machen – 77 überraschende Rätsel der Wissenschaft von Daniel Lingenhöhl und Anja Blänsdorf (Hgg); Rowohlt Taschenbuch Verlag; 192 S.; 8,95 Euro.

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