Schneller schlau
Welches Schiff übt im Wasser Kopfstand?

Ungewöhnliches Wasserfahrzeug - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Das wohl ungewöhnlichste Forschungsschiff der Welt wird von der US Navy betrieben. FLIP (FLoating Instrument Platform = schwimmende Instrumentenplattform) heißt das Wasserfahrzeug, das eine Art Kopfstand im Wasser vollführen kann. Ursprünglich für die Erforschung von Schall unter Wasser konzipiert, wird das Schiff heute auch für andere Forschungsvorhaben auf hoher See genutzt.

Anfang der 1960er Jahre suchten Experten der US Navy nach Wegen zur Entwicklung besserer Geräte für die Unterwasserortung. Zu diesem Zweck sollte ein Forschungsschiff Daten über die Ausbreitung von Schallwellen im Wasser sammeln. Doch herkömmliche U-Boote erwiesen sich als ungeeignet, da sie die geforderte aufrechte Position im Wasser nicht stabil genug halten konnten. So verfiel man auf die Idee, ein in Teilen versenkbares Überwasserschiff zu bauen. Am 22. Juni 1962 lief FLIP vom Stapel, ein Monat später stand das Forschungsschiff erstmals Kopf im Wasser.

Seine Tauchfähigkeit verdankt FLIP speziellen Ballasttanks. Werden sie geflutet, senkt sich ein Ende des Schiffes bis in eine Wassertiefe von gut 90 Metern, während das andere Ende steil aus dem Wasser ragt. Die besondere Konstruktion verleiht dem Schiff in getauchtem Zustand genügend Stabilität, dass es selbst bei extremem Wellengang seine Position hält. Tonnenschwere Anker sichern das Schiff während der Tauchphase. Um den Belastungen beim Abtauchen standzuhalten, wurde der Rumpf des Schiffes aus besonders festem Stahl gefertigt.

Eine ganze Batterie von Forschungsinstrumenten, darunter Unterwassermikrofone und Sonaranlagen, sammelt während der Tauchfahrt Daten. Ausgewertet werden sie in bordeigenen Laboren, die sich in der Überwassersektion des Schiffes befinden. FLIP verfügt über keinen eigenen Antrieb und muss von Hochseeschleppern ins jeweilige Forschungsgebiet gezogen werden.

Ende 1994 wurde FLIP generalüberholt. Neben neuen wissenschaftlichen Instrumenten erhielt der Veteran ein komplett neues Leitungssystem, neue Flutventile und eine moderne Feuerlöschanlage. Zwei Millionen Dollar investierte die Navy in das Forschungsschiff, dessen Bau einst 600.000 Dollar gekostet hatte. Heute ist FLIP eine moderne Forschungsplattform, mit der sich wissenschaftliche Daten zu marinen Ökosystemen, der Dynamik von Meereswellen sowie zu Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane erheben lassen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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  • Wieder eins dieser Objekte, das den Titel "kranke Konstruktionen" für sich beanspruchen darf!

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