Schneller schlau
Welches „Sorgenkind“ machte Albert Hofmann weltberühmt?

An einem Freitag im April - Schneller schlau, die tägliche Portion Wissen.
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An einem Freitag im April fühlte sich Albert Hofmann unwohl. Als „leichte Schwindelgefühle“ und „nicht unangenehme(n) Rauschzustand“ beschrieb er später einem befreundeten Wissenschaftler diesen Zustand. Da wusste er bereits, was ihm an jenem Freitag im April 1943 zugestoßen war: Er war bei Laborversuchen unabsichtlich mit Spuren einer neuartigen Substanz in Kontakt gekommen. Ihr Name: Lysergsäurediethylamid - LSD.

Dass Hofmann ein hochwirksames Halluzinogen entdeckt hatte, wurde drei Tage später, am 19. April, endgültig zur Gewissheit. In einem Selbstversuch nahm er 0,25 Milligramm der neuen Substanz zu sich – ein Vielfaches der wirksamen Dosis, was der Schweizer zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen konnte.

Der Versuch endete als Horrortrip. Schon die Fahrradfahrt vom Labor zur eigenen Wohnung war von negativen Eindrücken bestimmt. Hofmanns Wahrnehmung verzerrte sich, die vertrauten Dinge seiner Umgebung erschienen ihm plötzlich bedrohlich. Zu Hause angekommen, mutierte eine Nachbarin, die ihm Milch zur Entgiftung reichen wollte, zur „Hexe mit farbiger Fratze“. „Ein Dämon war in mich eingedrungen. Die Substanz, mit der ich hatte experimentieren wollen, hatte mich besiegt“, schrieb der Chemiker später in seinen Erinnerungen „LSD - Mein Sorgenkind“.

Schon fünf Jahre vor diesem legendär gewordenen „Fahrradtag“ war Hofmann erstmals auf die Droge gestoßen. Sein Arbeitgeber, der Schweizer Chemiekonzern Sandoz, hatte ihn mit der Erforschung des Mutterkorns beauftragt – ein Pilz, der seit dem Mittelalter als blutstillendes Heilmittel, aber auch als für den Menschen tödlicher Schmarotzer auf Getreide bekannt ist.

Die aus dem Pilz gewonnene Lysergsäure, Grundbaustein aller therapeutisch wirksamen Mutterkorn-Inhaltsstoffe, mischte Hofmann mit unterschiedlichen Chemikalien und prüfte die jeweilige Wirkung im Tierversuch. LSD, die 25. der untersuchten Substanzen, zeigte dabei keine besondere Wirkung. Der unauffällig weiße, kristallartige Stoff wurde daher zunächst nicht weiter erforscht.

Nach Hofmanns „Fahrradtag“ änderte sich das. Plötzlich war aus dem fast vergessenen Produkt eines chemischen Experiments eine Substanz gewordenen, mit der sich Geld verdienen ließ. Sandoz brachte LSD 1949 unter dem Namen „Delysid“ auf den Markt. Die blauen Tabletten fanden in der Psychotherapie Anwendung, zu den bekanntesten LSD-Patienten gehörte der Schauspieler Cary Grant.

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