Schneller schlau
Welches Tier schützt sich mit Nikotin vor Feinden?

Schutz durch Nervengift - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Wenn es um bekömmliche Nahrung für Pflanzenfresser geht, stehen Tabakpflanzen eigentlich nicht ganz oben auf der Liste. Ihre Blätter enthalten nämlich hohe Mengen Nikotin, das als starkes Nervengift wirkt.

Trotzdem stürzen sich die Raupen des Tabaschwärmers, eines auf dem amerikanischen Kontinent verbreiteten Nachtfalters, mit besonderer Gier auf die eigentlich gesundheitsschädliche Kost. Denn sie bietet ihnen Schutz vor der Wolfsspinne Camptocosa parallela, dem gefährlichsten Fressfeind der Raupe.

Bei Untersuchungen an Tabakschwärmer-Raupen stießen Forscher vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena auf ein Protein namens Cytochrom P450, das im Verdauungstrakt der Tiere produziert wird. Es sorgt dafür, dass ein Teil des von den Raupen verdauten Nikotins vom Darm in die sogenannte Hämolymphe abgegeben wird. Die Hämolymphe ist die Körperflüssigkeit bei wirbellosen Tieren, die keinen geschlossenen Blutkreislauf haben.

Über die Körperflüssigkeit wird das Nikotin schließlich in das Atmungssystem der Raupe geleitet und über das Tracheensystem ausgeschieden - als übelriechende Warnung an die eingangs erwähnte Wolfsspinne. Wie gut dieser Schutzmechanismus funktioniert, zeigte sich, als die Forscher das Gen, über das die Produktion von Cytochrom P450 im Körper der Raupen gesteuert wird, ausschalteten: 50 Prozent der so um ihren schützenden Duft gebrachten Tiere überlebten die Nacht in einer von Spinnen bedrohten Pflanzenkultur nicht. Zum Vergleich: Bei Raupen mit intaktem Schutz lag die Todesrate unter vergleichbaren Umständen nur bei 20 Prozent.

Ganz ohne Furcht vor gierigen Mäulern kann die Raupe trotzdem nicht sein: Andere Fressfeinde, etwa Weichwanzen oder Ameisenlöwen, sind gegen das Abwehrsignal auf Nikotin-Basis unempfindlich.

Übrigens: Auch als ausgewachsener Schmetterling hält der Tabakschwärmer seiner namengebenden Nahrungsquelle die Treue. Allerdings bevorzugt er dann statt der nikotinhaltigen Blätter den Nektar der Tabakpflanze.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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