Schneller schlau
Wem gehört das Gold der „Black Swan“?

Gold und Silber aus dem Meer – Schneller schlau, die tägliche Portion Wissen.
  • 0

Vorbei sind die Zeiten, in denen Schatzsucher mit Schaufel, Hacke und einer vergilbten Karte auf die Jagd nach Piratengold gingen. Moderne Goldsucher setzen auf High-Tech: Sonar, Tauchboote, Unterwasser-Roboter – das sind die Werkzeuge, mit denen Unternehmen wie Odyssey Marine Exploration nach versunkenen Schätzen suchen. Das Bergungsunternehmen mit Sitz in Florida ist das größte seiner Art weltweit, auf seiner Liste stehen nach eigenen Angaben mehr als 100 potenzielle Schatzschiffe, die im Laufe der Jahrhunderte mit kostbarer Fracht an Bord untergingen.

Wird ein solcher Fund geborgen, winken meist zwei- bis dreistellige Millionengewinne. Wie im Jahr 2003, als Odyssey ein Kriegsschiff aus der Zeit des US-Bürgerkriegs vor der Küste des US-Bundesstaats Georgia lokalisierte. Der Wert der 50 000 Münzen und Artefakte, die das Unternehmen an die Oberfläche brachte, belief sich auf 70 Millionen Dollar – bis heute der größte Schatz, den Odyssey bergen konnte. Zumindest, was rechtlich unstrittige Funde angeht.

Um einen wesentlichen größeren Schatz streitet das Unternehmen derzeit mit der spanischen Regierung. Es geht um einen Fund aus dem Jahr 2007: 500 Millionen Dollar holte Odyssey damals vor der portugiesischen Küste an die Oberfläche. Die insgesamt 17 Tonnen Gold- und Silbermünzen stammen aus einem Fund, den Odyssey nur unter dem Decknamen „Black Swan“ bekannt machte - zum einen, um ihn vor der Konkurrenz zu schützen, zum anderen, weil sich der Schatz nach Angaben des Unternehmens keinem Wrack in dem Seegebiet genau zuordnen lasse.

Das sehen die spanischen Behörden ganz anders. Für sie steht fest, dass der Schatz, den Odyssey nach der Bergung in die USA ausfliegen ließ, von der „Nuestra Señora de las Mercedes“ stammt, einer spanischen Galeone, die 1804 vor Portugal gesunken war. Daher erhebt Spanien Anspruch auf das Gold der „Black Swan“ und hat den Fall vor ein US-Gericht in Florida gebracht.

Mit Erfolg: In erster Instanz urteilte ein Richter vor wenigen Monaten, dass der Schatz an Spanien gegeben werden muss. Ein Urteil, dem sich die professionellen Schatzsucher nicht einfach beugen wollen. Immerhin geht es hier um den größten Schatz, der je aus einem Schiffswrack geborgen werden konnte. Odyssey geht in Berufung - und so wird das Gold der „Black Swan“ wohl noch eine Weile die Gerichte beschäftigen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

Kommentare zu " Schneller schlau: Wem gehört das Gold der „Black Swan“?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%