Schneller schlau
Wer malt die Feenkreise in die Landschaft?

Kreisrunde Kahlflächen, umgeben von üppig wachsendem Gras – Feenkreise beflügeln die Phantasie ihrer Betrachter. Geisterwesen haben sie sicher nicht erschaffen, ihre wahre Natur wollen Forscher jetzt enträtselt haben.

Wenn es um Feenkreise geht, sind sich Forscher eigentlich nur in einer Sache einig: Feen oder andere Geisterwesen haben die merkwürdigen Bodenmuster, die wir vor allem aus dem südlichen Afrika kennen, ganz sicher nicht geschaffen. Ansonsten herrscht gepflegte Zwietracht darüber, wer oder was hinter den kreisrunden Kahlflächen mit ihren markanten Rändern aus kräftigem Grasbewuchs stecken könnte.

Eine Theorie besagt, dass die Kreise durch Termiten oder Ameisen geschaffen werden, um sich Wasserreserven zu erschließen. Bezieht so ein Insektenvolk ein neues Nest, so die These, werden systematisch die Wurzeln aller Pflanzen in der näheren Umgebung zerstört. So soll verhindert werden, dass das Grünzeug wertvolles Nass aus dem Boden über die Blätter verdunstet. Stattdessen laben sich die Tiere an der im Erdreich verbleibenden Feuchtigkeit.

Da Feenkreise stets in sehr trockenen Gebieten auftreten, hat die These von den zum Wasserbau genötigten Insekten durchaus Charme. Und tatsächlich konnten Forscher in afrikanischen und nordamerikanischen Feenkreisen Termiten beziehungsweise Ameisen nachweisen. Unklar bleibt bei diesem Ansatz allerdings, warum die Kahlflächen stets kreisrund ausfallen. Zudem wurden in Australien mittlerweile Feenkreise nachgewiesen, in deren Umgebung keine tierischen Baumeister nachzuweisen waren.

Die andere Theorie rückt nicht Tiere, sondern Pflanzen in den Mittelpunkt. Demnach entstehen die Feenkreise durch die Konkurrenz unterschiedlicher Pflanzenarten um die knappen Wasserreserven im Boden. Wer in diesem Kampf erfolgreich ist, sorgt zugleich dafür, dass sich ringsum Kahlflächen ausbilden, auf denen einst die weniger robusten Arten siedelten.

Welcher Erklärungsansatz ist der richtige? Beide, sagen Corina Tarnita und Robert Pringle von der Princeton-Universität. Die beiden Forscher haben jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature ihre Version der Entstehungsgeschichte dargelegt – und die bedient sich beider Modelle. Demnach sind zu Beginn tatsächlich Termiten für die Kreisbildung verantwortlich. Die weiträumige Ausdehnung der Kreismuster wird dann aber von der Konkurrenz der Gräser befeuert.

Ob dieser salomonische Ansatz nun der Forscherstreit beilegen kann, bleibt abzuwarten – der Graben zwischen beiden Lagern ist tief. Um ihn zu überbrücken, braucht es vielleicht doch den Auftritt einer guten Fee, die uns erklärt, wie sie es gemacht hat.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
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