Schneller schlau
Wer waren die Opfer von Edisons Stromkrieg?

Die dunkle Seite des Erfinders. Schneller schlau – die tägliche Portion Wissen.
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VHS gegen Betamax, Blu-Ray gegen HD DVD – die Formate-Kriege unserer Zeit sind vielen gut bekannt. Wenn es eine neue Technologie gibt, beginnt der Wettlauf um den Industriestandard. Den Standard zu setzen, hat viele Vorteile – seien es Technologieführerschaft oder der Besitz von Patenten für die betreffende Technologie.

Als „Stromkrieg“ (englisch: „war of currents“) ging der wahrscheinlich erste Kampf um einen Industriestandard in die Geschichte ein. Damals stritten der bekannte Erfinder Thomas Alva Edison und sein weniger bekannter Gegenpart George Westinghouse, um die richtige Technik bei der Stromübertragung.

Edison favorisierte die Gleichspannung, Westinghouse machte sich – unter anderem zusammen mit dem Erfinder Nikola Tesla – für die Wechselspannung stark, die Edisons Gleichstrom-Konzept technisch überlegen war. Edisons Pläne sahen kleine Kraftwerke in jedem Stadtviertel vor, da sich seine Gleichspannung mit 110 Volt nicht weit transportieren lässt. Die von Westinghouse und Tesla favorisierte Wechselspannung lässt sich dagegen leicht über Transformatoren auf Hochspannung transformieren, wodurch Übertragungen über weite Strecken möglich werden.

Der Stromkrieg wurde schmutzig geführt, insbesondere von Edison: Weil der Erfinder um den Wert seiner Patente fürchtete, ließ er Lügen über die technisch überlegende Wechselspannung verbreiten. In Pamphleten und Zeitungsanzeigen warnte er vor zahlreichen angeblichen Gefahren der Wechselstrom-Technik: Elektrogeräte, die Häuser in Brand setzen und Stromschläge, die Menschen töten.

Um die die Gefahr zu verdeutlichen, schreckte Edison nicht vor drastischen Demonstrationen zurück: Edisons ließ seinen späteren Mitarbeiter Harold P. Brown Hunde, Katzen, Kälber und Pferde mit einem Wechselstromgerät der Forma Westinghouse hinrichten, um die Gefährlichkeit der Technologie zu demonstrieren. Dabei verschwieg er, dass die Tiere bei gleicher Stromstärke und Spannung auch mit Gleichstrom gestorben wären. Jahre später, im Januar 1903, ruft sogar ein Zoo Edison zu Hilfe. Die Elefanten-Dame Topsy hatte Menschen angefallen und dabei drei Pfleger getötet. Die Tötung des Elefanten durch Stromstöße wird von Edison sogar auf Film gebannt.

Westinghouse protestiert mit einem Leserbrief an die New York Times gegen Edisons Propaganda, auch Ärzte, Ingenieure und Tierschützer protestieren. Edison stört das nicht. Auch auf das Angebot, sich zu versöhnen und beide Firmen zu fusionieren, antwortet der Erfinder nicht. Am Ende setzt sich trotz allem das technisch überlegende Konzept des Wechselstroms durch. Edisons Tierexekutionen werden allerdings zum Geburtshelfer einer anderen grausamen Technologie: Dem elektrischen Stuhl.

Kommentare zu " Schneller schlau: Wer waren die Opfer von Edisons Stromkrieg?"

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  • Guten Abend Herr Dörner,

    Was Edison damals noch nicht wusste ist, dass Gleichstrom wesentlich gefährlicher und tödlicher als Wechselstrom. Bei Gleichstrom entstehen einerseits interzelluläre giftige Elektrolyte und es werden Muskeln verkrampft von denen das Opfer sich nicht befreien kann.

    Ich empfehle Ihnen meine WWW-Seite zu diesem Thema, die auch noch Vieles in Richtung Freie-Energie und Kalte Fusion in der heutigen Zeit bietet:

    "Der Stromkrieg zwischen Edison und Tesla, Teslas Wirken
    und die Zukunft der Energie..."
    http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/stromkrg.htm

    Freundliche Grüsse
    Thomas Schaerer

  • Fachliches Koennen und personliche Redlichkeit sind zwei Dinge. Leider unterstellt man immer, dass ein Genie ein guter Menschen sein sollte.

    Mir entbehrt von dieser Artikel ein Satz: wie Eidsons schmutziger Trick heutige Stromversorgung bewirkt?

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