Schneller schlau
Wie diebisch ist die Elster wirklich?

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Elstern stehlen, am liebsten glänzende Gegenstände – kaum ein anderes Klischee über Tiere ist derart verbreitet. Die diebische Elster ist zum geflügelten Wort geworden, Gioachino Rossini widmete ihr sogar eine eigene Oper. Doch offenbar ist der Vogel ohne eigenes Zutun unter Verdacht geraten, wie britische Forscher ermittelten.

Die Wissenschaftler um Toni Shephard von der englischen Universität Exeter nahmen die kriminellen Neigungen der vermeintlichen Langfinger genauer ins Visier – natürlich unter Wahrung der Unschuldsvermutung, wie sie jedem Angeklagten zusteht. Dazu machten sie Versuche sowohl mit Elstern in Gefangenschaft als auch mit Tieren, die zwar in Freiheit leben, aber auf dem Campus der Universität die Nähe zu Menschen gewohnt waren.

Die Vögel bekamen zunächst regelmäßig an festen Orten Futter. Dann stellten die Forscher etwa 30 Zentimeter entfernt von den Futternäpfen zwei Schälchen mit Schrauben und Ringen auf. Diese waren in einer Schale im glänzenden Originalzustand, in der anderen dagegen mit matter Farbe angemalt.

Das Ergebnis war eindeutig: Keines der Tiere stürzte sich auf die verlockend glänzende Beute. Tatsächlich zeigten die Vögel kein größeres Interesse an den Gegenständen, unabhängig von ihrem Aussehen. „Wir haben bei den Elstern keine Beweise für eine besondere Vorliebe für glänzende Objekte gefunden“, so Shephard.

Teilweise reagierten die Vögel sogar ängstlich auf die dargebotenen Gegenstände. Diese Furcht legten sie erst nach mehreren Versuchsdurchgängen ab. Die Vorsicht zeigte sich unter anderem darin, dass es länger dauerte, bis sich die Elstern an den Futternapf herantrauten.

Doch wie konnte dann das Klischee von der diebischen Elster überhaupt entstehen? Auch dafür haben die Forscher eine Erklärung parat. „Wir vermuten, dass es Menschen auffällt, wenn Elstern zufällig blinkende Objekte mitnehmen“, so Shephard. Sie glaubten dann, dass die Vögel solche Gegenstände attraktiv finden – obwohl es sich in Wirklichkeit um reinen Zufall handelt.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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