Schneller schlau
Wie faul ist das Faultier eigentlich?

Kein Leben auf der Überholspur - schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Wer sich in einem Zoo die Mühe machen würde, Faultiere einen ganzen Tag lang zu beobachten, wäre wohl rasch gelangweilt. Denn in Gefangenschaft machen die Tiere ihrem wenig schmeichelhaften Namen alle Ehre: Bis zu 16 Stunden des Tages verschlafen sie. Und selbst wenn sie ausnahmsweise mal wach sind, bewegen sie sich nur im Zeitlupentempo durch ihr Gehege. Leben auf der Überholspur geht anders.

In ihrer eigentlichen Heimat, den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas, sind Faultiere dagegen deutlich aktiver, wie Forscher vor einigen Jahren nachweisen konnten. Die seinerzeit ermittelte maximale Schlafdauer betrug „nur“ 9,5 Stunden. Und die verteilten sich in etlichen kleinen Häppchen über den ganzen Tag. Mitunter begnügten sich die vermeintlichen Langschläfer sogar mit „Power-Naps“ von kaum fünf Minuten Dauer.

Zwischen den Ruhepausen hangeln sich die Tiere durchs Geäst der Bäume, von deren Blättern sie sich ganz überwiegend ernähren. Am Boden sieht man sie nur selten, eher schon mal im Wasser, wo sie erstaunliche Schwimmkünste offenbaren.

Doch die Baumwipfel sind ihr eigentlicher Lebensraum, an den sie sich sogar farblich angepasst haben: Die Haare der Faultiere sind mit sogenannten Cyanobakterien durchsetzt, die den Tieren einen grünlichen Farbton bescheren.

Eine brasilianische Legende besagt, dass Faultiere sogar zu faul zum Nestbau sind. In kalten Nächten würden sie zwar stets den Entschluss fassen, sich ein schützendes Heim zu bauen, unter dem Einfluss der wärmenden Sonne wäre dieser Wunsch jedoch rasch wieder vergessen, die Tiere zögen dann ein Nickerchen dem anstrengenden Nestbau vor. Tatsächlich ist die vermeintliche Faulheit der ideale Schutz: Indem sie allzu auffällige Bewegungen vermeiden, entgehen Faultiere im dichten Laub meist der Aufmerksamkeit ihrer gefährlichsten Feinde: Jaguare, Greifvögel – und natürlich Menschen.

Wirklich faul am Faultier ist eigentlich nur der Verdauungstrakt: Bis eine Portion Laub verdaut und wieder ausgeschieden ist, kann schon mal eine ganze Woche vergehen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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