Schneller schlau
Wie groß ist die Gefahr aus dem All?

Kosmische Geschosse - Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten
  • 0

Die Erinnerung ist noch frisch: Vor gut einem Jahr, am 15. Februar 2013, explodierte ein Meteor rund 30 Kilometer über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Die Druckwelle ließ tausende Fensterscheiben bersten, rund 1500 Menschen wurden verletzt, die meisten durch umherfliegende Glassplitter.

Wieder einmal hatte ein Geschoss aus dem All ohne Vorwarnung die Erde heimgesucht. Auf bis zu 600 Kilotonnen TNT berechneten Experten die Gewalt der Explosion. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe „Little Boy“ brachte es auf etwa 15 Kilotonnen. Wäre der Tscheljabinsk-Meteor in einem etwas steileren Winkel auf die Erde gestürzt, er hätte die Stadt vermutlich ausgelöscht.

Dass solche Beinahe-Katastrophen keine Seltenheit sind, belegt ein Video, das drei ehemalige US-Astronauten jetzt in Seattle vorgestellt haben. Es zeigt die Einschlagorte von insgesamt 26 Asteroiden, die zwischen 2000 und 2013 die Erde trafen. Jeder dieser Brocken hatte mindestens das Zerstörungspotenzial einer Atombombe: Die von Sensoren des weltweiten Netzwerks zur Überwachung des Atomtest-Verbots ermittelte Wucht der Explosionen lag zwischen 1 und 600 Kilotonnen TNT.

Allen Einschlägen gemeinsam ist, dass die kosmischen Geschosse jeweils ohne Vorwarnung niedergingen. „Wir kennen die meisten der Asteroiden, die das Potenzial zur Zerstörung von Ländern oder ganzen Kontinenten haben. Aber von der etwa eine Million Mitglieder umfassenden Familie der kleineren Asteroiden, die immer noch eine ganze Stadt auslöschen können, wurden bislang weniger als 10.000 entdeckt“, erläutert Ed Lu.

Der ehemalige Astronaut mit Spaceshuttle- und Sojus-Erfahrung ist Mitbegründer der B612-Foundation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Infrarot-Teleskop ins All zu bringen, das nach solch gefährlichen Geschossen Ausschau hält. Es wäre das erste rein privat finanzierte Teleskop dieser Art. „Im Moment müssen wir auf reines Glück vertrauen, soweit es die ‚City-Killer‘ betrifft“, so Lu.

Das soll sich ändern, wenn das „Sentinel Space Telescope“ wie geplant im Jahr 2018 ins All startet. Dann sollen bis zu 200.000 Asteroiden auf mögliche Kollisionen mit der Erde überprüft werden. Ein potenziell tödlicher Brocken könnte dann in einem Stadium entdeckt werden, in dem er noch weit genug von der Erde entfernt ist, um geeignete Abwehrmaßnahmen zu ergreifen.

Wie solche Maßnahmen aussehen könnten, erfahren Sie hier.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

Kommentare zu " Schneller schlau: Wie groß ist die Gefahr aus dem All?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%