Schneller schlau
Wie kam der Tee in den Beutel?

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Eigentlich wollte der amerikanische Teehändler Thomas Sullivan nur ein paar Proben verschicken. Gerade hatte er eine neue Lieferung erhalten und wollte diese seinen Kunden schmackhaft machen. Doch dieses Mal packte er die Teeblätter nicht wie sonst in Metallkisten, sondern wickelte sie in Beutel aus Seide. Einfach weil es billiger war.

Seine Kunden hingegen machten sich gar nicht erst die Mühe, die Blätter wieder auszupacken. Sie versenkten den Tee samt Seidenpaket im Wasser – und sparten sich so das Abgießen in eine zweite Kanne. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgte das für große Begeisterung bei der Kundschaft. Die ursprünglich als Sparmaßnahme erfundenen Beutel gewannen schnell an Beliebtheit. Nicht nur in Seide, auch in Mull oder Baumwolle wurden die Blätter gewickelt.

Diesem Aufschwung folgte jedoch jähe Ernüchterung. Nachahmer benutzten die neue Verpackung, um minderwertige Reste und sogar Abfälle als Tee zu verkaufen. Außerdem wurden damals noch viele Beutel mit Klebstoff verschlossen. Das war zwar praktisch, ruinierte aber den Geschmack. Für Abhilfe sorgte dann ein deutscher Schlosser namens Adolf Rambold. Er entwickelte bereits 1924 eine Teebeutelpackmaschine, die pro Minute 35 Mullsäckchen mit Blättern füllen konnte.

Später experimentierte Rambold mit Stofffasern, die sich durch Hitze zusammenschweißen ließen. Dadurch gelang ihm der Durchbruch, mit dem so genannten Doppelkammerbeutel. Aus einem 15 Zentimeter langen Stoffschlauch gefaltet, wird dieser nur noch von einer Metallklammer zusammengehalten. Durch die zwei Kammern umspült das Wasser die Teeblätter von mehreren Seiten, das Aroma kann sich besser entfalten. 1949 geht der Doppelkammerbeutel in Serie, heute werden pro Jahr etwa 220 Milliarden Stück verkauft.

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