Schneller schlau
Worum ging es beim „Krieg um Jenkins Ohr“?

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Für Robert Jenkins verlief die Begegnung mit dem spanischen Segler „La Isabella“ wenig erfreulich. Die Spanier, als Küstenschutz im Einsatz, enterten an jenem 9. April 1731 Jenkins’ Schiff „Rebecca“ auf der Suche nach Schmuggelware. Ganz unbegründet waren die Vorwürfe gegen Kapitän Jenkins wohl nicht, und der ganze Vorfall endete damit, dass der Kommandant der „La Isabella“ Kapitän Jenkins an den Mast binden ließ und ihm ein Ohr abschnitt. So weit, so unschön.

Obwohl sich Jenkins nach der Rückkehr nach England mit einer Eingabe an König Georg II. wandte, blieb der Vorfall zunächst ohne größere Folgen. Erst sieben Jahre später, im März 1738, fand Jenkins mehr Aufmerksamkeit: Vor einem Ausschuss des britischen Unterhauses wiederholte er seine Geschichte – und präsentierte den Mitgliedern sogar ein in Alkohol eingelegtes Ohr, angeblich sein eigenes.

Jenkins Bericht wurde von einer ohnehin latent anti-spanischen Öffentlichkeit begierig aufgegriffen, und nach einigen diplomatischen Verwicklungen und einer Drohgebärde der britischen Flotte vor der spanischen Küste kam es im Oktober 1739 zum Krieg.

Schauplatz des Konflikts waren der Süden Nordamerikas und die Karibik, wo Spanien traditionell die Vorherrschaft beanspruchte. Dort gelang den Engländern bereits kurz nach Kriegsbeginn ein spektakulärer Erfolg: Im November 1739 eroberten sie die wichtige Hafenstadt Portobelo an der Karibik-Küste Panamas, einer der Ausgangspunkte der spanischen Silberflotte. Bis heute erinnert die „Portobello Road“ in London an diesen Sieg.

Es sollte der einzige nennenswerte Erfolg der Briten in dem Krieg bleiben. Alle weiteren Großunternehmen von Flotte und Armee scheiterten, und die britischen Truppen mussten im ungewohnten Tropenklima nicht nur dem Feind, sondern auch bislang unbekannten Krankheiten immer höheren Tribut zollen. Als sich das britische Expeditionskorps 1742 auflöste, war der „Krieg um Jenkins Ohr“ de facto vorbei – obwohl die Kriegsparteien den Konflikt erst 1748 offiziell beendeten.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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