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Biologe: Zahl der Evolutions-Leugner steigt

In Deutschland gibt es nach Ansicht von Biologen immer mehr so genannte Kreationisten, die die Evolutionstheorie ablehnen und die Menschwerdung göttlicher Steuerung zuschreiben.

dpa KASSEL. In Deutschland gibt es nach Ansicht von Biologen immer mehr so genannte Kreationisten, die die Evolutionstheorie ablehnen und die Menschwerdung göttlicher Steuerung zuschreiben.

„Wir gehen von 1,3 Mill. Evangelikalen aus, die die Bibel wörtlich auslegen. Leider werden es mehr“, sagte der Vizevorsitzende des Verbandes Deutscher Biologen, Ulrich Kutschera, der dpa. Der Kasseler Professor für Evolutionsbiologie sieht Kreationisten „vor allem in Sekten, fern der Amtskirche, etwa bei den Freikirchen und Zeugen Jehovas“.

Scharf kritisierte der Biologe die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) wegen ihrer Meinung, auch die Schöpfungslehre der Bibel sollte im Biologieunterricht behandelt werden. „Frau Wolff sollte sich zunächst orientieren und ein Fachbuch lesen“, sagte Kutschera. „Die Ministerin benutzt die Sprache der Kreationisten und fällt auf deren Tricks herein.“ So spreche Wolff von einer Evolutions- und einer Schöpfungstheorie. „Aber diese Wortwahl ist ein Taschenspielertrick der Kreationisten, denn es gibt einerseits die Schöpfungsmythen und andererseits eine Evolutionsbiologie.“

Die Evolution sei eine Tatsache, die durch eine moderne Theorie erklärt werde, sagte Kutschera. „Sonst wären ja all die Tausenden Wissenschaftler, die wie wir auch in Stanford und Harvard Evolutionsforschung betreiben, Narren.“ Evolutionsbiologie sei seit 1942 ein anerkanntes Fachgebiet. „Wir haben auf der einen Seite wissenschaftliche Tatsachen, auf der anderen einen 2000 Jahre alten christlichen Mythos. Es ist inakzeptabel, die Evolution als Faktum in Frage zu stellen.“ Die Kreationisten seien eine zwar stärker und aggressiver werdende, zugleich aber auch eine isolierte Gruppe: „Ich kenne keinen modernen Theologen, der die Bibel wirklich wörtlich auslegt.“

Hessens Kultusministerin hatte dafür plädiert, neben der Evolution auch die Schöpfung im Biologieunterricht zu behandeln. „Ich halte es für sinnvoll, fächerübergreifende und -verbindende Fragestellungen aufzuwerfen“, sagte sie Anfang des Monats. So werde vermieden, dass Schüler im Biologie- und im Religionsunterricht mit völlig verschiedenen Lehren konfrontiert würden.

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