Schusswaffen auf Knopfdruck

Gefahr aus dem Drucker

Mit einem 3D-Drucker lassen sich alle erdenklichen Dinge herstellen, theoretisch auch Schusswaffen. Was ist dran an der Horrorvorstellung, dass sich künftig Extremisten ihr eigenes Waffenarsenal basteln können?
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Geschirr und Spielzeug aus dem Drucker - was lange eine Zukunftsidee war, ist heute möglich. Doch auch Schusswaffen kann der 3D-Drucker ausspucken. Quelle: dpa

Geschirr und Spielzeug aus dem Drucker - was lange eine Zukunftsidee war, ist heute möglich. Doch auch Schusswaffen kann der 3D-Drucker ausspucken.

(Foto: dpa)

BerlinFans der TV-Serie Star Trek kennen den Replikator, eine Maschine, mit dem jeder beliebige Gegenstand hergestellt werden kann. Mit dem 3D-Drucker ist diese Vision teilweise Wirklichkeit geworden. Das Gerät kann aus digitalen Designvorlagen dreidimensionale Gegenstände reproduzieren, indem es sie, zum Beispiel mit flüssigem Plastik, Schicht für Schicht aufwachsen lässt, Was vor wenigen Jahren noch Hightech für Labore war, kann man heute für 1.000 bis 2.000 Euro kaufen. Kein Problem, sollte man meinen, wenn sich jeder in Zukunft seine Kaffeetasse selbst herstellen kann.

Nun verlautet aber aus Sicherheitskreisen, vor allem in den USA, aber auch vom deutschen BKA, dass 3D-Drucker benutzt werden können, um Schusswaffen herzustellen. Tatsächlich gibt es eine US-amerikanische Non-Profit-Organisation namens „Defence Distributed“, die es sich zum Ziel gemacht hat, digitale Designs für funktionsfähige Schusswaffen zu entwerfen, vorhandene zu sammeln und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mitglieder dieser Gruppe begründen ihr Vorgehen mit der Forderung nach einer Demokratisierung des Waffenbesitzes und dem Aufbrechen des staatlichen Gewaltmonopols.

Marcel Dickow forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) u.a. zu Technologien für Sicherheit und Verteidigung.

Marcel Dickow forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) u.a. zu Technologien für Sicherheit und Verteidigung.

Was aber ist dran an der Horrorvorstellung, dass sich zukünftig jeder sein eigenes Waffenarsenal herstellen kann, der Waffennarr in den USA genauso wie der afghanische Taliban und der syrische Rebell?

3D-Drucker sind zwar inzwischen geeignet, Kunstobjekte ebenso wie bewegliche Teile einer mechanischen Konstruktion zu drucken. Sie können nicht nur Kunststoffe, sondern auch bestimmt Metalle und organische Verbindungen auftragen. Dennoch sind moderne Fertigungstechniken in der Industrie noch um Jahre voraus. Nicht nur, weil sie dauerfeste Materialien wie Stahl und Aluminium verarbeiten, sondern auch, weil sie anders als 3D-Drucker präzise Verbindungen zwischen einzelnen Werkstücken produzieren können. Zudem sind nicht alle Ausgangsstoffe druckbar oder leicht verfügbar.

Schließlich hapert es bei den 3D-Druckern an der Genauigkeit. Die gedruckte Pistole ist zwar Realität, aber sie überlebt kaum mehr als einen Schuss. Obendrein fehlt ihr die Munition, deren Treibsatz in der Patrone man ohne die schwer zu beschaffenden Ausgangstoffe kaum selbst drucken kann.

Industrielle Fertigungstechniken sind dem 3D-Druck überlegen
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4 Kommentare zu "Schusswaffen auf Knopfdruck: Gefahr aus dem Drucker"

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  • Sehr geehrter Herr Dickow,

    beim Lesen Ihres Beitrags beschleicht mich der Verdacht, dass Ihnen der Unterschied zwischen Gewaltmonopol und Waffenmonopol nicht bekannt ist.
    Das Gewaltmonopol hat nichts mit privatem Waffenbesitz zu tun, sondern sagt vereinfacht aus, dass der einzelne Bürger nicht Polizei oder Richter spielen darf, sondern dass dies hoheitliche Angelegenheiten sind. Mit Waffen hat dies überhaupt nichts zu tun.
    Was Sie wohl meinen, ist ein Waffenmonopol, wo nur die regierende Schicht und ihre Handlanger Waffen besitzen dürfen, so wie z.B. im Dritten Reich oder in der DDR.

    Zum Thema Schußwaffen drucken ist bereits erwiesen, dass dies eine der üblichen Pressehysterien zur Umsatzsteigerung oder zur Diskriminierung von Waffenbesitzern ist.

  • Die Leute kommen doch heute auch schon an Waffen. Ich verstehe die Aufregung nicht.

    Ich freue mich auf die Möglichkeiten die sich durch die neue Technik bieten werden.

  • Meiner Meinung nach bergen 3D-Drucker für daheim ganz andere gefahren. Nämlich wirtschaftliche. Wenn ich mir vieles selber machen kann und günstiger wie Tassen, Teller, Kinderspielsachen, Vasen etc. dann gehen viele Arbeitsplätze verloren. Dadurch gehen auch Renten- / Sozialsversicherungs- und Arbeitslosenbeiträge verloren. Sieht man doch schon an den Billig-Sklafen: 1-Euro-Jobber, Geringverdiener und Leiharbeitnehmer / Zeitarbeiter. Es gehörren nur noch ganzu normale Vollarbeitsstellen her. Dann können wir auch wieder die Zukunft plnen. Kredite aufnehmen, Kinder bis zu 2,3 4 Stück Leisten. Und vielleicht auch eine eigene Wohnung. Mieten steigen etc. die Südländer jammernn, das sdie Kosten steigen etc. aber fast jeder, mehr als die Hälfte hat ein eigenes Haus, wer hat das schon bei uns?

  • " Die gedruckte Pistole ist zwar Realität, aber sie überlebt kaum mehr als einen Schuss."
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    Vor allen Dingen würde das die Hand des Schützen nicht überleben. Ein australischer Versuch zeigte, das die Plastikpistole einfach explodierte, weil sie dem Treibsatz nicht standhielt. Der Benutzer hätte dabei garantiert zumindest einige Finger verloren.

    "Stattdessen müssen Materialien für dauerfeste Bauteile und die dafür nötigen speziellen Druckverfahren kontrolliert werden."
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    Dauerfeste Materialien? Blödsinn! Dann müßte auch Stangenware Eisen, Stahl, Messing und Co. verboten werden. Jeder, der eine Drehbank benutzen kann und sich bei Metallbearbeitung nicht komplett dämlich anstellt, kann sich eine Schußwaffe bauen. In Afrika bauen sich manche Bauern zum Wildern einfache Schrotflinten aus irgendwelchen Abfallrohren. Die funktionieren sogar! Der Flaschenhals dabei ist die Beschaffung der Munition, nicht die Waffe selber.
    Die Pistole aus dem 3D-Drucker ist ein netter Gag für Presseenten und für's Hysterieschüren, mehr nicht.
    Um sich eine robuste Pistole mit pulvermetallurgischen Verfahren zu bauen, dafür müßten ganz andere Gerätschaften her (plus das dafür nötige Fachwissen!), die so teuer sind, das sich einer, der unbedingt eine illegale Waffe haben will, sich diese samt Muni erheblich einfacher auf dem Schwarzmarkt besorgen kann.

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