Forschung + Innovation
Schweizer Gletscher schmelzen schneller als erwartet

Die Schweizer Gletscher schmelzen schneller als erwartet: Der Rückgang liegt nach Berechnung der Universität Zürich bereits heute in einer Größenordnung, die erst für das Jahr 2025 erwartet wurde.

dpa ZÜRICH. Die Schweizer Gletscher schmelzen schneller als erwartet: Der Rückgang liegt nach Berechnung der Universität Zürich bereits heute in einer Größenordnung, die erst für das Jahr 2025 erwartet wurde.

Zwischen 1985 und 2000 verloren die Gletscher in der Schweiz demnach bereits 18 Prozent ihrer Fläche, in den gesamten Alpen mit 22 Prozent sogar noch etwas mehr. Von 1973 bis 1985 war es lediglich 1 Prozent. Und die Eisschmelze beschleunigt sich weiter. Im Durchschnitt hat die Eisdicke im Sommer 2003 um drei Meter abgenommen.

Nach einer früheren Studie erwarteten Wissenschaftler für das Jahr 2025 eine Abnahme der Fläche um bis zu 30 Prozent. Diese Größenordnung sei bereits heute annähernd erreicht, was sehr beunruhigend sei, sagte Frank Paul vom Geographischen Institut der Universität Zürich am Montag. Er hat für seine Dissertation ein Gletscherinventar für die Schweiz erstellt.

Der Schwund sei unter anderem eine Reaktion auf die heißen 90er Jahre, sagte Paul weiter. „Die Temperaturen waren so hoch, dass die Gletscher zum Teil zerfallen sind.“ In den Alpen habe die Temperatur zudem stärker zugenommen als in der restlichen Schweiz: In den vergangenen 150 Jahren wurde eine Zunahme um 0,6 Grad verzeichnet, in den Bergen waren es zwischen 1 und 1,5 Grad.

Vor allem die kleinen Gletscher schwinden bei den höheren Temperaturen in den Alpen: Zwar werden nur 18 Prozent der Gletscher als klein bezeichnet, beim gesamten Gletscherschwund machen sie aber 44 Prozent aus. Wie sich der Hitzesommer 2003 auf die Fläche der Gletscher ausgewirkt hat, ist noch nicht ausgewertet. Laut Paul war er aber für viele kleine Gletscher „der Todesstoß“.

Die Eisdicke ist in den zehn Jahren vor dem Hitzesommer 2003 um rund 60 Zentimeter zurück gegangen, während fünfzig Jahren zuvor um 30 Zentimeter. Die Universität Zürich rechnet damit, dass sich der Eiszerfall fortsetzen wird.

Erstmals wurden Daten eines neuen Satelliten mit einer neuen Methode ausgewertet. „Landsat“ überfliegt seit 20 Jahren alle 16 Tage dieselbe Region und zeichnet dabei einen Streifen von 185 Kilometer Breite auf. Bisher mussten für die Erstellung der meisten Gletscherinventare Luftbilder verwendet und von Hand ausgewertet werden. Dies dauerte mehrere Jahre. Mit den neuen Methoden ist die Auswertung in wenigen Monaten abgeschlossen.

In den vergangenen Wochen warnten zahlreiche Forscherteams vor der Eis- und Gletscherschmelze weltweit: Südpolare Gletscher an der Amundsen-See schmelzen doppelt so schnell wie noch im Jahr 1990. In China ist die Eismasse der Gletscher in den vergangenen vier Jahrzehnten um sieben Prozent zurückgegangen. Die Arktis könnte einem neuen Report zufolge zwischen 2060 und 2 100 im Sommer eisfrei sein. Und auch in den Anden befürchten Forscher eine große Gletscherschmelze.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%