Schwieriger Kampf gegen eingeschleppte Arten
Mit Blasrohr und Pfeil gegen den Ochsenfrosch

Die Tier- und Pflanzenwelt in Deutschland ist längst ein wildes Gemisch aus einheimischen und eingeschleppten Arten. Manche richten große Schäden an. Ihre Bekämpfung ist eine Sisyphos-Arbeit.

KarlsruheDas trübe Gewässer bei Rheinstetten in Baden-Württemberg beherbergt einen umtriebigen Einwanderer: den aus den USA stammenden Kalikokrebs. Sämtliches Leben dort hat er kurz und klein gefressen. „Die Krebse besetzen kleinere Stand- und Fließgewässer und fressen wirklich alles“, sagt Nabu-Artenschutzexperte Martin Klatt. „Am Ende bleibt von einem solchen Gewässer nur braune Brühe mit viel Schlamm.“

Die Art breitet sich in Baden-Württemberg rasant aus, auch ins benachbarte Rheinland-Pfalz ist sie schon eingewandert. Eingeschleppt wurde der Krebs vermutlich von Soldaten der kanadischen Airbase, die einst auf dem Gelände des heutigen Baden-Airpark stationiert waren. Jetzt ist er da. „Und wird wohl bleiben“, sagt Biologie-Professor Andreas Martens von der Pädagogischen Hochschule (PH) Karlsruhe. Rund 120 000 Krebse hat er mit Mitstreitern aus dem Gewässer gefischt - und dann aufgehört zu zählen.

Eingeschleppte Arten wie der Kalikokrebs machen häufig Probleme. Sie breiten sich unkontrolliert aus und verdrängen einheimische Arten schlimmstenfalls komplett. Solche invasiven Arten können wie Großer Bärenklau und Beifuß-Ambrosie auch giftig sein oder Allergien auslösen. Und sie können wie Bisamratte und Nutria „riesige Schäden“ anrichten, erklärt Kai-Steffen Frank, Schutzgebietsbetreuer im Kreis Konstanz. Bisamratten zum Beispiel buddeln sich durch Uferbefestigungen und unterhöhlen Straßen oder Feldwege.

Zuständig für die Bekämpfung eingeschleppter Arten sind die Landratsämter, die Kommunen, das Land. Das Landratsamt Karlsruhe zieht momentan gegen den Ochsenfrosch zu Felde - „ein großes Problem“, sagt Kreisökologe Hans-Martin Flinspach. Der Eindringling aus Nordamerika fiel vor rund 15 Jahren zum ersten Mal in süddeutschen Baggerseen und am Rhein auf. Er verdrängt einheimische Amphibien.

Um den Ochsenfrosch zu bekämpfen, wird sein Laich weggesammelt, auch auf die Frösche selbst wird Jagd gemacht. „Mit Blasrohr und Pfeil“, sagt Flinspach. Viele Hundert Ochsenfrösche vermutet er in der Region. „Ich zweifele daran, dass wir ihn überhaupt noch in den Griff bekommen können“, sagt Kai Höpker vom Landesinstitut für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW).

Einige Arten wie Japanischer Staudenknöterich und Kanadische Goldrute werden umgemäht. Die hochallergene Beifuß-Ambrosie wird ausgerupft oder umgegraben - ebenso wie der Bärenklau, den man regelrecht aus dem Boden hacken müsse, ergänzt Joachim Schneider, im Karlsruher Landratsamt Leiter des Amtes für Umwelt- und Arbeitsschutz.

„Wir halten diese Pflanzen gerade so in Schach.“ Der Kampf gegen eingeschleppte Arten ist teuer. Deshalb wird oft nur dort gehandelt, wo große Sach- oder Gesundheitsschäden drohen.

Ein Leben ohne eingeschleppte Arten? „In Zeiten der Globalisierung völlig unmöglich“, sagt Professor Martens. Hilft nur Pragmatismus. In den Naturschutzgebieten werde viel unternommen, um einheimische Arten zu erhalten, sagt Schutzgebietsbetreuer Frank. „Ansonsten müssen wir uns damit abfinden.“

Links:
EU-Liste invasive Arten: http://dpaq.de/hFv6k
Infos der LUBW: http://dpaq.de/DeBnV
Schwarze Liste Invasiver Arten des Bundesamtes für Naturschutz: http://dpaq.de/2XPFw
Kleine Anfrage der CDU zum Thema insavisve Arten in Zoos vom Februar 2016: http://dpaq.de/UFVci
WWF zu Gefahren biologischer Einwanderung: http://dpaq.de/QQLZG
Warnliste invasiver Arten des Bundesamtes für Naturschutz: http://dpaq.de/u5CTx
Infos zum Kalikokrebs: http://dpaq.de/gSobp

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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