Seenschutz-Konferenz
Wasservorräte nehmen weltweit ab

Trinkwasser wird in den nächsten Jahrzehnten möglicherweise ein knappes Gut. Auf der internationalen Seenschutz-Konferenz „Living Lakes“ beklagen Forscher die wachsende Flächenversiegelung. „Das Thema Wasser muss viel stärker auf die politische Agenda“, fordert Friedrich Barth vom Forum European Water Partnership.

HB DÜSSELDORF. „Uns wird weltweit das Wasser ausgehen, wenn wir nicht wirksam handeln und sofort damit beginnen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Hartmut Vogtmann, bei der 11. internationalen Seenschutz-Konferenz „Living Lakes“ am Mittwoch im chinesischen Nanchang. Die Konferenz wird vom Global Nature Fund gemeinsam mit einer chinesischen Organisation sowie der Provinzregierung von Jiangxi organisiert. Etwa 200 Wissenschaftler und Umweltpolitiker nehmen daran teil.

Europa habe pro Kopf und Jahr derzeit einen Vorrat von 4 100 Kubikmeter Frischwasser zur Verfügung, 1950 seien es 5 900 Kubikmeter gewesen. In Asien sanken die Vorräte dramatisch von 9 600 auf 3 300 Kubikmeter, in Afrika von 20 600 auf 5 100 und in Nordamerika von 37 200 auf 17 500 Kubikmeter.

Vogtmann sagte, angesichts zahlreicher Überschwemmungen bestehe bei vielen Menschen der Irrglaube, Frischwasser sei unerschöpflich. Es sei dringend nötig, weltweit auf einen ökologischen Landbau umzustellen. Das bedeute, weniger Wasser zu verschwenden und die wachsende Flächenversiegelung durch Bebauung zu stoppen und umzukehren. „Das Wasserproblem ist das drängendste Problem, das wir überhaupt haben“, sagte Vogtmann.

„Das Thema Wasser muss viel stärker auf die politische Agenda“, verlangte Friedrich Barth vom Forum European Water Partnership. In der Europäischen Union erfüllten 97 Prozent der Küsten- und 92 Prozent der Binnengewässer die Standards für Badegewässer. Dennoch sei Europa beim Wasser keine „Insel der Glückseligen“. In den künftigen EU-Staaten Rumänien und Bulgarien hätten Teile der Landbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie, bis 2015 in allen Gewässern zu einem guten Zustand zu kommen, sei voraussichtlich nicht erreichbar, auch nicht für Deutschland, sagte Barth.

Die Weltnaturschutzunion IUCN kritisierte, beim Umgang mit Wasser und anderen Ressourcen seien in den vergangenen Jahren große Fehler gemacht worden. „Ohne den wirksamen Schutz von Naturressourcen und Umwelt werden unsere Wirtschafts- und Sozialsysteme kollabieren“, warnte Manfred Niekisch von der IUCN. Auch die zunehmenden Flüchtlingsströme seien häufig umweltbedingt, da in den Herkunftsländern Ressourcen und Ernährungsgrundlagen fehlten.

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