Sensationeller Fossilfund
Eine Tonne Schlange

Sie fraß Krokodile und Schildkröten zum Frühstück: In Kolumbien haben Forscher jetzt die Knochen der größten Riesenschlange gefunden, die je auf der Welt gelebt hat. Der Fund beweist, dass die Tropen einst viel wärmer waren als heute.
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DÜSSELDORF. So lang wie ein Schulbus und mehr als eine Tonne schwer: Titanoboa cerrejonensis war ein wahrer Gigant unter den Schlangen. Die Fossilien des riesigen Tieres haben Wissenschaftler nun in Kolumbien entdeckt, meldet das Magazin "Nature".

Mit geschätzten 13 Meter Körperlänge ist Titanoboa wohl die größte Schlange der Welt gewesen. Sie lebte vor etwa 60 Millionen Jahren, kurz nachdem die Dinosaurier ausgestorben waren. Zusammen mit den Knochen der Riesenschlange gruben die Forscher auch Überreste ihrer Beutetiere aus: Fossilien von Krokodilen und Riesenschildkröten.

"Wirklich große Schlangen heizen die Vorstellungskraft der Menschen an, aber hier hat die Realität die Fantasien von Hollywood übertroffen", sagt Jonathan Bloch, der die Riesenschlange nun am Naturgeschichtlichen Museum der Universität von Florida untersucht. "Die Schlange, die im Film ,Anaconda? versucht hat, Jennifer Lopez zu fressen, war nicht so groß wie diese hier."

Die Überreste von Titanoboa fanden die Forscher in der Mine von Cerrejon im Norden Kolumbiens, einem der größten Tagebaue der Erde. Dort lagern auch die Fossilien des ältesten Regenwalds auf dem amerikanischen Kontinent, in dem die Riesenschlange offenbar gelebt hat.

Die enorme Größe der Schlange verrät den Forschern einiges über die Lebensbedingungen in diesem Regenwald vor 60 Millionen Jahren - etwa, dass es damals mit 30 bis 34 Grad Celsius deutlich wärmer als heute gewesen sein muss.

Weil Schlangen wechselwarme Tiere sind, die ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren können, setzt die Außentemperatur ihrer Körpergröße eine Grenze. "Wenn man sich die Verteilung der wechselwarmen Tiere auf der Erde anschaut", so Bloch, "dann findet man die größten in den Tropen, und sie werden immer kleiner, je weiter man sich vom Äquator entfernt."

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